"Axel an der Himmelstür": Gagfeuerwerk in Schwarz-Weiß

18. September 2016, 21:07
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Ein Gesamtkunstwerk: Ralph Benatzkys Operette an der Wiener Volksoper

Wien – Wie man in Hollywood an Zsa Zsa Gabor, Julie Andrews, Jane Fonda und anderen Zelebritäten sehen kann, ist ein tadelloses Äußeres auch im hohen Alter von Vorteil, um im Geschäft zu bleiben. An der Volksoper haben sich Peter Lund und Kai Tietje eines musikalischen Lustspiels von Ralph Benatzky angenommen, Axel an der Himmelstür. Lund hat vom Textkörper (Paul Morgan/Adolf Schütz) da und dort etwas weggeschnitten oder gestrafft und ihn an anderen Stellen geschickt aufgepolstert, Tietje die üppige Orchesterbesetzung Benatzkys verschlankt. Und siehe da: Das 80-jährige Ding schaut wieder aus wie neu.

Gut, auch die Fachkräfte, die sich ums Make-Up und die Outfits dieser Schöpfung gekümmert haben, haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die Geschichte um eine kapriziöse Hollywooddiva und einen Klatschreporter zu einem großen Gschau wird. Sam Madwar erinnert mit seinen Bühnenbildern an die erste Großzeit Hollywoods: Über die geschwungene Freitreppe seiner Filmstarvilla müssten, wenn es das ewige Bühnenleben gäbe, augenblicklich Fred Astaire und Ginger Rogers tanzend herunterschweben. Und Daria Kornysheva hat Kostüme entworfen, die speziell im divaesken Bereich von einer Eleganz sind, dass einem der Atem stockt.

Lund hat der gesamten Produktion eine Schwarz-Weiß-Optik verpasst; zwischendurch erfreuen cartoonhafte Einspielungen (Videos: Andreas Ivancics), die mit dem Bühnengeschehen verschmelzen, Auge und Gemüt. Charmant auch die von Lund kreierten Hollywood Harmonists, ein komödiantisches Fivepack, das singt, tanzt und Schabernack treibt. Speziell das Bild von Jakob Semotan als birnenförmiger Kostümausstatter wird man auf ewig in sich tragen.

Lund und Tietje ist mit dieser Produktion – vom wundervollen Vorspann bis zum Schnelldurchlauf am Ende – ein Gesamtkunstwerk gelungen, das mindestens mit fünfzig Oscars, Nestroys, Romys und Ähnlichem prämiert gehörte. Der größte Moment: Wenn Bettina Mönch als Gloria Mills auf der Freitreppe ihres Anwesens Benatzkys Gebundene Hände gibt, und ein Nerz, ein Seidenkleid, Champagner, Wasserstoffperoxid und reichlich Divenhaftigkeit miteinander verschmelzen.

Sonst: Andreas Bieber wirkt als Klatschreporter Axel Swift wie ein clownesker Luftgeist und schmeißt seine Beine höher als Mönch, Johanna Arrouas und Boris Eder belustigen als Buffo-Pärchen Jessie und Theodor professionell, ebenso Kurt Schreibmayer (als Cecil McScott) und Gerhard Ernst (als Inspektor Morton). Im Orchestergraben setzt Dirigent Lorenz C. Aichner die famosen Arrangements von Tietje stimmungsvoll um: ein Sound wie damals. Fazit: Kult. Bitte: die nächsten 50 Jahre auf dem Spielplan lassen. (Stefan Ender, 18.9.2016)

  • Ein Wunder der Schwarz-Weiß-Ästhetik im Haus am Gürtel.
    foto: volksoper wien/barbara pálffy

    Ein Wunder der Schwarz-Weiß-Ästhetik im Haus am Gürtel.


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