Kinderfotos auf Facebook: Töpfchenfotofragen

Einserkastl18. September 2016, 18:50
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Gehören Töpfchenfotos in die sozialen Netzwerke, ja oder nein?

Junge Kärntnerin klagt Eltern, weil die ihre Kinderfotos auf Facebook gestellt haben: Diese Geschichte ist vielleicht wahr, vielleicht nur von der "Ganzen Woche" erfunden – aber eine brisante Frage wirft sie so oder so auf: Gehören Töpfchenfotos in die sozialen Netzwerke, ja oder nein? Mit der Abwägung des Für und Wider stehen wir erst am Anfang.

Hier ein starkes Argument pro: Seit Sigmund Freud wissen wir, dass der Abschied von der Windelzeit eine stolze, lebensgeschichtlich erhebende Zäsur darstellt. Ein gelungenes Defäkationsdebüt auf dem im Volksmund scherzhaft so genannten Scherben deutet auf eine günstige psychosoziale Entwicklung und ein gekonntes Entree in die anale Phase hin, welche man womöglich nicht nur im engen Familienkreis, sondern in einer weiteren Internet-Öffentlichkeit zelebriert wissen möchte. Damit auch die 2500 Facebook-Freunde etwas davon haben!

Andererseits haftet dem körperlichen Entleerungsvorgang selbst beim putzigen Kleinkind immer noch ein Tabu an (vgl. die barsche, hier aus Schicklichkeitsgründen ins Anständige übersetzte Wiener Aufforderung "Geh defäkieren!"). Gut möglich, dass die Präsidenten, Professoren, Honoratioren und sonstigen wichtigen Menschen des Jahres 2040 dann ungern via Facebook daran erinnert werden, dass auch sie in ihrer Jugend nur kleine Scheißer waren: dies ein Argument kontra, das ebenfalls keineswegs von Pappe ist. (Christoph Winder, 19.9.2016)

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