UN-Generalsekretär: Halbherzig für Irina Bokowa

18. September 2016, 16:56
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Bulgariens Regeirung denkt über neue Kandidatin nach – Dem Premier sind Zweifel gekommen

Sofia/Athen – Vor einem halben Jahr schien es noch eine ideale Wahl: endlich eine Frau und dazu noch aus Osteuropa. Irina Bokowa, bulgarische Diplomatin und derzeit Direktorin der UN-Kulturbehörde Unesco in Paris, sollte die nächste UN-Generalsekretärin werden. Das bulgarische Außenministerium nominierte die 64-Jährige im vergangenen Februar auf Wunsch des Regierungschefs. Doch mittlerweile sind auch Boiko Borissow Zweifel gekommen. Landet Bokowa bei der nächsten informellen Abstimmung im UN-Sicherheitsrat am 26. September auf den ersten oder zweiten Platz, dann müsse man neu nachdenken, brummelte der Premier. Bokowa hat seither ein Ablaufdatum.

Und längst schon eine Rivalin: Die Gegner der Unesco-Chefin in der bulgarischen Innenpolitik fanden eine andere Bulgarin stets zugkräftiger. Kristalina Georgiewa, Vizepräsidentin der EU-Kommission und zuständig für den Haushalt, war im Protestjahr 2013 schon einmal als Premier im Gespräch. UN-Generalsekretärin ist noch besser, heißt es in konservativen Parteikreisen in Sofia. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel soll beim jüngsten G20-Gipfel in China mit den Russen die Idee einer "alternativen" bulgarischen Kandidatin angesprochen haben.

Russland-Frage

Denn erstens schnitt Bokowa bei den Probeabstimmungen im Sicherheitsrat wider Erwarten nicht so gut ab. Zweitens wird der Unesco-Chefin die politische Vergangenheit zur Last: Vater Georgi war seinerzeit Chefredakteur der kommunistischen Parteizeitung Arbeiter-Werk und ZK-Mitglied, die Tochter bis zur Wende ebenfalls Parteimitglied, dann bei den Sozialisten. Für viele Rechte in Sofia ist sie ein rotes Tuch.

Bokowa wird deshalb als russlandfreundlich eingestuft, Georgiewa als das Gegenteil. So oder so wäre ein Erfolg bei der Wahl im Sicherheitsrat schwierig; Russland ist eine der Vetomächte. Nach vier Abstimmungen führt deshalb nach wie vor ein Mann – Portugals Ex-Premier António Guterres. Das Mandat von Generalsekretär Ban Ki-moon endet am 31. Dezember. (Markus Bernath, 19.9.2016)

  • Die Uno sucht eine Person, die die Nachfolge von Ban Ki-moon antritt. Die bulgarische Kandidatin Irina Bokowa hat eine landesinterne Rivalin: Kristalina Georgiewa (Bild)
    foto: reuters/lenoirs

    Die Uno sucht eine Person, die die Nachfolge von Ban Ki-moon antritt. Die bulgarische Kandidatin Irina Bokowa hat eine landesinterne Rivalin: Kristalina Georgiewa (Bild)

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