US-Starökonom für Negativzinsen bis zu sechs Prozent

18. September 2016, 13:59
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Der frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff glaubt, dass solche Maßnahmen in einigen Jahren hilfreich sein könnten

Wien – Auch Jahre nach der Finanzkrise kommt die globale Konjunktur nur mäßig in Schwung. Trotz extrem niedriger Zinsen bleibt das Wachstum schwach, und auch die Inflation zieht nicht an. Weltweit haben viele Notenbanken die Leitzinsen gesenkt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von Banken auch Strafzinsen, wenn sie Geld bei der Notenbank horten. Das soll die Institute dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben.

In Deutschland erheben erste Banken Negativzinsen für Sparer. Diese zahlen also drauf, wenn sie Geld aufs Konto legen. Im Ausland sind die Bankkunden ebenfalls betroffen. Hohe Zinsen für Ersparnisse – das war einmal. An den Finanzmärkten gilt als so gut wie ausgemacht, dass Fed-Chefin Janet Yellen heuer die US-Zinsen nach oben schrauben wird. Dass das schon kommenden Mittwoch sein wird, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

Der frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff hält es für möglich und wünschenswert, dass Zentralbanken künftig Negativzinsen von bis zu minus sechs Prozent einführen. "Eines Tages werden wir eine neue schwere Finanzkrise bekommen, und dann könnten wir negative Zinsen von minus sechs oder minus fünf Prozent brauchen, um schnell aus der Krise zu kommen", sagte Rogoff im Gespräch mit der "Welt am Sonntag".

Dieses geldpolitische Instrument werde aber sicherlich erst in einigen Jahren einsatzbereit, so der Ökonom, schließlich müssten stark negative Zinsen weltweit koordiniert werden. "Das wäre auch wirklich nur eine Maßnahme für extreme Situationen", sagte Rogoff der Zeitung. "Aber bis das überhaupt möglich würde, vergehen sicherlich 15 oder 20 Jahre." Rogoff spricht sich auch für eine deutliche Reduktion der Nutzung von Bargeld aus. (red, 18.9.2016)

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