Anschlag in New York: Verdächtiger verhaftet

19. September 2016, 17:33
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Nach Explosion weitere Sprengkörper entdeckt – Behörden sprechen von Terrorakt mit Verbindung ins Ausland

New York / St. Cloud / Elizabeth – Die Polizei hat Angaben mehrerer US-Medien zufolge am Montag Ahmad Khan Rahami festgenommen. Der US-Amerikaner afghanischer Herkunft wurde wegen eines Bombenanschlag in New York und mehrerer selbstgebauter Sprengsätze in New Jersey gesucht.

Die Ermittlungen nach dem Anschlag am Wochenende deuten laut offiziellen Angaben auf einen terroristischen Hintergrund hin. Dies teilte Bürgermeister Bill de Blasio am Montag mit. Der Gouverneur des Bundesstaates, Andrew Cuomo, fügte in einem Interview des Senders CBS hinzu, es werde vermutet, dass es eine Verbindung ins Ausland gebe.

Die Behörden verdächtigten einen 28-jährigen Mann afghanischer Abstammung aus New Jersey, sagte Bürgermeister Bill de Blasio dem Sender CNN. Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, fügte in einem Interview des Senders CBS hinzu, es werde vermutet, dass es eine Verbindung ins Ausland gebe.

"Gestern hatten wir diese Informationen noch nicht. Heute sollten wir nicht überrascht sein, wenn die Ermittler zu diesem Ergebnis kommen", sagte Cuomo am Montag bei CNN. Gouverneur Cuomo und De Blasio betonten, es sei zu früh, zu sagen, ob es sich bei den Explosionen um die koordinierten Aktionen einer Zelle gehandelt habe.

Weitere Bomben

Am Sonntag wurde auch im benachbarten US-Bundesstaat New Jersey ein Rucksack mit mehreren Sprengsätzen entdeckt. Bei der Untersuchung des in einem Mülleimer am Bahnhof der Stadt Elizabeth gefundenen Gepäckstücks sei einer der bis zu fünf Sprengsätze explodiert, als ein Roboter ein Kabel durchtrennte, sagte der Bürgermeister der Stadt, Chris Bollwage, am Montag dem Nachrichtensender CNN.

Die Männer, die das Objekt beim Durchwühlen einer Mülltonne am Sonntagabend (Ortszeit) fanden, hätten "Drähte und ein Rohr" entdeckt und es deshalb der Polizei gemeldet. Der Bahnverkehr zwischen Elizabeth und dem Flughafen Newark wurde eingestellt.

Die zwei Bomben, die am Samstag in Manhattan explodierten und zahlreiche Menschen verletzten, bestanden Medienberichten zufolge aus einem Schnellkochtopf, einem Handy, Weihnachtslichtern und Granatsplittern.

Keine Festnahmen

Zuvor hatte es eine Fehlmeldung rund um vermeintliche Festnahmen gegeben. Der US-Sender ABC hatte berichtet, die New Yorker Polizei habe im Zusammenhang mit den Explosionen fünf Personen festgenommen. Dies wurde wenig später dementiert. Das New Yorker Büro der US-Bundespolizei FBI twitterte in der Nacht zum Montag (Ortszeit), dass ein verdächtiges Fahrzeug angehalten, aber niemand eines Verbrechens beschuldigt worden sei.

Örtliche Medien hatten zuvor unter Berufung auf Ermittler berichtet, dass der Wagen am Sonntagabend auf einer Verbindungsstraße zwischen den Stadtbezirken Brooklyn und Staten Island angehalten worden sei. Im Wageninneren seien Waffen gefunden worden, berichtete die "New York Daily News". Eine verdächtige Person sei anhand von Aufnahmen einer Überwachungskamera identifiziert worden.

29 Verletzte

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sprach am Sonntag von einer "vorsätzlichen Straftat", zu der Explosion einer Bombe Samstagabend im Künstler- und Homosexuellenviertel Chelsea in Manhattan habe sich bis Sonntag aber niemand bekannt. Ob ein terroristischer Hintergrund bestehe, sei daher noch unklar. Die – laut Behördenvermutungen – selbstgebaute Bombe war abends zuvor gegen halb neun Uhr Ortszeit nahe eines belebten Gehsteigs hochgegangen, laut dem Fernsehsender CNN in einem Müllcontainer. Mindestens 29 Menschen wurden durch Glas- und Metallsplitter verletzt, zum Teil schwer. Hunderte Menschen flohen. Fenster und Autos im Umkreis der Explosion wurden beschädigt.

Drei Stunden später fanden Polizisten nur vier Straßen entfernt einen weiteren verdächtigen Gegenstand: einen verkabelten Schnellkochtopf, der vermutlich einen Sprengsatz enthielt. Der Kochtopf wurde abtransportiert, um durch Roboter untersucht werden zu können. Wegen des 15. Jahrestages der Anschläge vom 11. September befindet sich New York derzeit in erhöhtem Alarmzustand. Vor der UN-Generalsversammlung in der kommenden Woche sollten die Sicherheitsvorkehrungen zudem wieder verschärft werden.

Zweiter Anschlag

Die New Yorker Ermittler gingen vorerst von keiner Verbindung zu einem weiteren Anschlag aus, der Samstagnachmittag am Rande eines Wohltätigkeitslaufs für Militärveteranen im an New York angrenzenden Bundesstaat New Jersey stattgefunden hatte. Dort, im Badeort Seaside Park, war kurz vor Beginn des Laufs eine ebenfalls in einer Mülltonne deponierte Rohrbombe in die Luft gegangen. Weil sich der Start des Laufs verzögert hatte, wurde niemand verletzt.

"Ohne die Verzögerung hätten sich wohl viele Läufer in der Nähe der Explosion befunden", sagte ein Behördensprecher. Warum der Start verschoben wurde, sagte er nicht. Die Bombe sei mit vier selbstgebauten Sprengsätzen versehen gewesen, von denen jedoch nur einer detoniert sei.

Die USA haben schon einen vergleichbaren Anschlag erlebt: Im April 2013 waren beim Marathon in Boston zwei Bomben explodiert. Drei Menschen wurden getötet und weitere 264 verletzt. (AFP, Reuters, red, 19.9.2016)

  • New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio mit dem Gouverneur des Bundesstaates, Andrew Cuomo.
    foto: afp

    New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio mit dem Gouverneur des Bundesstaates, Andrew Cuomo.

  • Der zweite Sprengsatz wurde in einem druckfesten Behälter abtransportiert.
    foto: reuters/rashid umar abbasi

    Der zweite Sprengsatz wurde in einem druckfesten Behälter abtransportiert.

  • Erste Ermittlungen deuteten Sicherheitskreisen zufolge darauf hin, dass sich die Explosion in Manhattan in einem Müllcontainer ereignet habe.
    foto: rashid umar abbasi

    Erste Ermittlungen deuteten Sicherheitskreisen zufolge darauf hin, dass sich die Explosion in Manhattan in einem Müllcontainer ereignet habe.

  • Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gibt es nicht.
    foto: apa/afp/getty images/spencer pla

    Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gibt es nicht.

  • New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio bei einer Pressekonferenz in der Nacht zum Sonntag.
    foto: apa/afp/bryan r. smith

    New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio bei einer Pressekonferenz in der Nacht zum Sonntag.

  • Fahndungsfoto.
    foto: afp

    Fahndungsfoto.

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