Lexus RX 450h: Zusammen sind wir stark

19. September 2016, 12:26
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Die vierte Generation des Lexus-SUV-Flaggschiffs RX 450h gibt sich außen betont progressiv und optimiert innen den Komfortfaktor

Wien – Omotenashi. Herzlich willkommen auf Japanisch. So lautet eine Kernbotschaft dieses Autos. Von deren Berechtigung konnte sich der Standard in zwei Testwochen überzeugen. Den RX kennen wir schon seit ewig und drei Dauertests. Er ist einer der Pioniere des Premium-SUV-Trends, wurde 1997 fast zeitgleich mit Mercedes' M-Klasse lanciert – und er ist der bisher mit Abstand meistverkaufte Lexus in Europa und Österreich. Mag sein, der eine Nummer kleinere NX läuft ihm den Rang ab, aber noch ist es nicht so weit.

foto: andreas stockinger
President heißt die RX-Topversion, und die ist so ausgestattet, dass keine Wünsche offen bleiben. In der Hofburg logierte zuletzt auch zwölf Jahre lang ein Lexus, ein LS 430 – als Heinz Fischers Präsidentenauto.

Der Grund für die Beliebtheit liegt natürlich auch in seinen vielfältigen Talenten. Eierlegende Wollmilchsau ist der treffende Ausdruck, hier vermutlich Kaschmirwolle und mozartbeschalltes Kobe-Rind, weil so nobel. Mit 4,89 Meter Länge (bisher: 4,77) ist das ein großes Auto, Kaliber GLE (früher: M-Klasse), X5, Cayenne. Entsprechend ausgeprägt ist schon das Kapazitätspotenzial, doch vorher erst mal ein Wort zum Design.

Neue Philosophie

Akio Toyoda, oberster Toyota-San, hatte vor einer Handvoll Jahren hausintern die Empfehlung ausgegeben, den Lexussen künftig mehr Emotion im Außenauftritt angedeihen zu lassen. Weil so ein Wort den aufmerksam lauschenden Designern nicht von ungefähr nach Befehl klang, machten sie sich umgehend ans Werk, jede Baureihe getreu dieser neuen Philosophie zu gestalten.

Nun hat die Welle auch den RX erreicht, aus dem zweifellos stimmig gezeichneten Vorgänger wurde ein Auto mit deutlich mehr Wagemut, Progressivität, Vorwärtsdrang, jedenfalls optisch (dass sich fahrerisch am Grundcharakter – sanft und still und leise – wenig geändert hat, ja: dass er dank adaptiven Dämpfungssystems noch komfortabler abrollt, schadet nichts, ganz im Gegenteil).

foto: andreas stockinger

Vorn prangt gar mächtig die Lexus-Sanduhr (der charakteristische Kühlergrill) und suchet, wen sie verschlinge. Filigraner appliziert wirken die jetzt schlankeren (LED-)Leuchtenkörper, und die seitliche Linienführung soll 1. ein bisserl was von einem Coupé (dynamisch!) vorgaukeln und verleiht dem RX 2. einen kantig-markanten Zuschnitt, was momentan überhaupt Mode zu sein scheint.

Innen drin dann ähnliche Philosophie wie schon bei GS, IS, NX: Schluss mit wild und verwegen, her mit nobler Sachlichkeit, und es zeigt sich, was Lexus unter Luxus versteht. Das geometrische Formenspiel fügt sich gut in den Omotenashi-Habitus: Willkommenskultur in Autosprech.

foto: andreas stockinger

Damit man gleich merkt, wo man ist, sitzt ein großes kursives L in der Ellipse, das Lexus-Label. Die Mittelkonsole wendet sich ergonomisch dem Fahrer zu, die Knöpfe sind aufs Wesentliche reduziert, wie Klima, Bildschirmbedienung, Betriebsartfeld – da kann man per Drehknopf wählen zwischen Eco, Normal, Sport S/S+.

Schirm und Charme

Ja, und so einen Knopf vermisst man dann bei der Infotainment-Bedienung. Statt auf die bewährte Lösung von BMW, Mercedes, Audi zu setzen, haben die Japaner sich für dieses fummelige Herumschiebedingsda entschieden. Origineller ist nicht immer besser. Fein indes der riesige Mittelbildschirm, je größer, desto besser lautet momentan der Trend in der Nobelliga, Lexus ist mit vorne dabei.

foto: andreas stockinger

Ansonsten wäre zu berichten von enorm viel Platz für bis zu fünf Insassen und deren Zeugs. Dunkle Leder, hell vernäht, schmucke linearintarsierte Hölzer, auch das gehört zum Wohlfühlauftrag. Und dass dieser merkwürdige Mattglanzmetallimitatkunststoff sich auf dem Rückzug befindet, ist kein Nachteil. 539 bis 1612 Liter schluckt der Kofferraum, bei dem jedoch die hohe Ladekante auffällt. Und die automatische Heckklappe ist praktisch, arbeitet aber quasi in Superzeitlupe.

Mit den Sitzen arbeiten wir uns zum Fahrkapitel vor. Ausgesprochen bequemes Gestühl, darauf scheut man keine Langstrecke. Hätten wir die Zeit gefunden, wir wären glatt zur Palermo-Nordkap-Expedition aufgebrochen.

Man fährt also los und hört – nichts. Gut, das kennt man seit vielen Lexussen (und Toyotas) als Hybridmarkenzeichen. Eher ist man gespannt auf das Fahrverhalten. Fazit hier: souveräne Fortsetzung der einmal eingeschlagenen Richtung. Dem RX tut es an Komfort in der Fahrwerksabstimmung nicht so schnell wer gleich, er fährt wie auf Samtpfoten. Und anders als bisher ruft er auch nicht mehr "Achtung! Kurve!", sondern fährt sich auch da passabel. Sporteln wollen wir mit diesem 2,1-Tonnen-Riesen ohnehin nicht.

Silentium!

Ruhe, Stille war immer schon ein Markenzeichen von Lexus. Im RX wird das nochmal auf ein neues Niveau gehoben. Antriebsseitig merkt man meist nur beim Kickdown etwas mehr vom Verbrennungsmotor, welcher ein 3,5-Liter-V6 mit 262 PS ist. Der Rest des RX-Hybridkonzepts liest sich wie gehabt: ein E-Motor vorn (167 PS), einer hinten (86 PS). Zusammen sind wir stark: auch das eine ausgeprägt japanische Tugend – in dem Fall 313 PS stark. (Andreas Stockinger, 19.9.2016)

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Lexus

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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