Tatort "Freitod": Büßen wie die Ägypter

17. September 2016, 17:00
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Eine schwerkranke Deutsche lässt sich in der Schweiz beim Sterben helfen. Kurz darauf wird auch ihre Sterbebegleiterin tot aufgefunden

Natrium-Pentobarbital heißt das Zeug, das den schnellen Tod und vielen die Erlösung bringt. Ein paar Schluckerl davon, und schon ist man das Leben für immer los. Auch die schwerkranke Deutsche Gisela Aichinger hat sich für den Tod entschieden, die Schweizer Firma Transitus hilft ihr dabei.

Um Sterbehilfe – in Deutschland und in Österreich nach wie vor verboten – geht es also im neuen Schweizer Tatort. Der Fall "Freitod" ist keine leichte Kost.

Akribisch wird zu Beginn das Sterben der alten Dame dokumentiert. Friedlich und ruhig schläft sie drinnen ein, während draußen die selbsternannten Lebensschützer vom religiösen Verein Pro Vita laut toben und "Lebenshilfe statt Sterbehilfe" skandieren. Kurz später wird die Sterbebegleiterin Helen Mathys tot aufgefunden, erstickt mit einem Plastiksackerl.

Erleuchtung durch den dunklen Engel

Ein Verdächtiger ist rasch gefunden. Aichingers psychisch kranker Sohn (Martin Butzke) will sich nicht damit abfinden, dass seine geliebte Mama sterben wollte, und wünscht den Sterbehelfern alle biblischen Plagen ("Büßen sollt ihr wie die Ägypter") an den Kopf. Auch Josef Thommen – dem bigotten, aalglatten Chef von Pro Vita – ist es ganz recht, dass Mathys nicht mehr plaudern kann – vor allem aus privaten Gründen. Eine weitere Leiche – wieder musste ein Plastiksackerl herhalten – liefert dann Hinweise zur Aufklärung.

Die Luzerner Ermittler Liz Richard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) quälen sich durch ein tristes, streckenweise langatmiges Drehbuch. Die Erleuchtung bringt mit Nadine Camenisch (herausragend: Anna Schinz) schließlich ein dunkler Engel in Weiß. (Astrid Ebenführer, 16.9.2016)

Tatort "Freitod": Sonntag, 20.15 Uhr, ORF, ARD

  • Liz Richard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) quälen sich durch ein tristes Drehbuch.
    foto: orf/srf/daniel winkler

    Liz Richard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) quälen sich durch ein tristes Drehbuch.

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