Wehsely sieht "Störfeuer" in der Ärztekammer

16. September 2016, 17:43
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Stadträtin kritisiert Bruch einer Stillschweige-Vereinbarung nach Treffen zu Ärztearbeitszeit – Laut Ärztekammer gab es keine

Wien – "Wenn es eine Lösung geben soll, wird es eine geben", sagte Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) am Freitag bei einer Pressekonferenz über die derzeit laufenden Gespräche zwischen der Ärztekammer und Vertretern des Krankenanstaltenverbunds (KAV). Dabei geht es um die Arbeitszeitregelung der KAV-Spitalsärzte, die am Montag einen Warnstreik abgehalten haben. Wehsely sprach von "konstruktiven" Treffen, übte aber auch Kritik am Vorgehen der Kammer.

"Wir hatten Stillschweigen vereinbart", sagte Wehsely über ihren Termin am Mittwoch mit Thomas Szekeres, Wiener Ärztekammerpräsident. Bereits eine halbe Stunde nach Gesprächsende habe die Kammer eine Aussendung gemacht, in der Dinge behauptet worden seien, die Wehsely nicht gesagt habe. Offenbar gebe es "Störfeuer", die an keiner Lösung interessiert seien. Aus der Kammer heißt es dazu, "Stillschweigen" sei nicht vereinbart worden. Derzeit laufen weitere Gespräche zwischen Kammer- und KAV-Vertretern, für die man sich bis 23. September Zeit gegeben hat.

Kritik von Pflege

Thema bei dem Medientermin am Freitag im Rathaus mit mehreren Pflegevertretern war auch ein von neun KAV-Pflegeführungskräften unterzeichneter Brief, in dem am Ärzteprotest Kritik geübt wird. In dem Schreiben, das dem STANDARD vorliegt, das an Wehsely und Bürgermeister Häupl adressiert ist, heißt es, die Forderungen der Ärzte seien "zum Teil nicht nachvollziehbar" und würden die Zusammenarbeit belasten.

Wehsely sagte dazu nur, sie werde den Brief beantworten. Szekeres ortet Versuche, Berufsgruppen auseinanderzudividieren. Astrid Engelbrecht, selbst keine Unterzeichnerin, aber Pflegedirektorin im Krankenhaus Hietzing, sagte, die "Zusammenarbeit sei gegenwärtig nicht ganz einfach" . Sie verstehe aber, dass bei großen Veränderungen auch große Unruhe herrsche.

Neue Pflegeausbildung

Apropos Veränderungsprozesse: Im Sommer wurde das neue Gesundheits- und Krankenpflegegesetz beschlossen – eigentliches Thema des Pressegesprächs am Freitag. In Wien läuft seit 15. September der erste, einjährige Lehrgang für Pflegeassistenz (bisher Pflegehilfe). Im Herbst 2017 startet der zweijährige Pflegefachassistenz-Lehrgang – eine neue Zwischenstufe im Pflegebereich. Gehobenes Pflegepersonal wird künftig an Fachhochschulen ausgebildet. 2018 soll das System in Wien ganz umgestellt sein. (Gudrun Springer, 16.9.2016)

  • Sonja Wehsely (SPÖ) und Thomas Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer, hatten einander am Mittwoch getroffen und laut Ersterer Stillschweigen vereinbart, seitens der Ärztekammer erinnert man sich anders.
    foto: apa/hans punz

    Sonja Wehsely (SPÖ) und Thomas Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer, hatten einander am Mittwoch getroffen und laut Ersterer Stillschweigen vereinbart, seitens der Ärztekammer erinnert man sich anders.

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