Wien Anders: "Bezirkspolitik muss demokratisiert werden"

Video17. September 2016, 08:00
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Wien Anders fordert mehr Geld zum Leben, Gratis-Öffis und ökologische Weitsicht. Wohnraum soll sozial gefördert werden

Wien – Josef Iraschko steht vor "dem letzten Grünstreifen, der in dieser Gegend noch verbaut werden soll", wie er missbilligend anmerkt. Die Rede ist von einer Fläche in der Leopoldstadt, die zwischen Vorgartenstraße und Engerthstraße liegt, ein paar Meter weiter ist die Wiener Messe. Fünf neue Wohnblöcke sollen hier entstehen. Iraschko, dem Spitzenkandidaten des Wahlbündnisses Wien Anders, gefällt das nicht. Er unterstützt deshalb die Bürgerinitiative "Spekulationsparadies Leopoldstadt".

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Eva Hopfgartner ist eine von ihnen, die sich für den Erhalt der grünen Fläche einsetzt. "Hier geht es um Restbestände der Au" , sagt die Anrainerin und zeigt auf eine hochgewachsene Silberpappel. Zumindest einen Wohnblock weniger und die Hälfte davon als sozial geförderten Wohnraum würde man sich wünschen.

Wohnen im Zweiten soll leistbar bleiben

Das Argument, dass man eben dringend Wohnraum in Wien brauche, kann Iraschko schon nicht mehr hören. "Ja, wir brauchen dringend neue Wohnungen. Diese müssen aber leistbar und ökologisch verträglich sein." Die geplanten Wohnbauten würden alle frei finanzierte Mietwohnungen sein, die sich erst recht niemand leisten könne. "Das ist spekulationsgetriebene Stadtplanung", sagt der Mietrechtsexperte, der eigentlich in der KPÖ beheimatet ist. Für den Zweck der Wahlen hat sich die KPÖ aber im Bündnis Wien Anders mit den Piraten, Echt Grün sowie Die Unabhängigen zusammengeschlossen.

"Ausnahmsweise mit dem Auto" macht sich Iraschko auf den Weg zu einem Informationsstand beim Stadioncenter. Die Aktivisten werben für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, genug Geld zum Leben und die Demokratisierung der Bezirkspolitik. Bei Letzterer "hapert es ziemlich", betont der Spitzenkandidat. Der Bezirk habe fast keine Kompetenzen, "die Vasallen im Bezirk setzen durch, was von den Magistratsabteilungen kommt".

Wien Anders statt Grün oder Rot

Lokale Probleme wie der Praterstern seien gesellschaftspolitischer und nicht sicherheitstechnischer Natur. "Sicher sind die B'soffenen und Junkies unschön. Aber so wird das falsch angegangen." Bei der Wahl 2015, die am Sonntag wiederholt wird, konnte Wien Anders 2,77 Prozent erreichen. Warum man Wien Anders und nicht die SPÖ oder die Grünen wählen solle? "Das ist natürlich die Gretchenfrage", meint Iraschko und lacht. "Weil wir wirklich meinen, was wir sagen, und nicht bloß Geschwätz betreiben." (Text: Vanessa Gaigg, Video: Sarah Brugner, 17.9.2016)

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