Zechner will sich beim ORF-Umbau "stark einbringen"

Interview17. September 2016, 09:00
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2017 soll die ORF-Direktorin Kompetenzen an Channel Manager abgeben – die Struktur wird gemeinsam erarbeitet, sagt sie

STANDARD: Was tun Sie, bisher Fernsehdirektorin von Information bis Kaufserie, künftig eigentlich als Programmdirektorin? Bestellen die Channel Manager, die es noch nicht gibt, bei Ihnen und Sie produzieren auf Zuruf?

Zechner: Ich finde es beruhigend und auch erstaunlich, dass der Generaldirektor gemeint hat, dass wir nicht nur das Budget, sondern auch die Struktur gemeinsam erarbeiten. Da werde ich mich sicher stark einbringen, einen Workflow zu ermöglichen, der a) modern ist und b) machbar.

STANDARD: Bisher klang es nach: Channel Manager etwa von ORF 1 und ORF 2 bestellen bei Ihnen künftig, was sie gerne senden würden.

Zechner: Das waren Ideen, die von außen herangetragen wurden. Ich möchte mir da im Sinne des Produkts, im Sinne der Kolleginnen und Kollegen anschauen, was a) den ORF stark macht, b) das Programm stark macht und c) den Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit gibt, gut zu arbeiten.

STANDARD: Gibt es eine Mischform zwischen bestellen und bestücken?

Zechner: Ich habe mir viel überlegt, und das werde ich in unsere Diskussion einbringen.

STANDARD: Wann soll es denn die neue Struktur mit den Channel Managern geben? Ab Jänner sind Sie Programmdirektorin statt Fernsehdirektorin.

Zechner: Wir werden das Wie und das Wann gemeinsam erarbeiten. Wenn wir uns im Team schnell einigen, dann wird das ab Jänner funktionieren können. Wenn wir mehr Zeit brauchen für eine arbeitsfähige und sinnvolle Struktur, wird’s vielleicht Februar oder März. Aber im ersten Quartal 2017 sollte die Struktur stehen.

STANDARD: Vor der Generalswahl hat Alexander Wrabetz angekündigt, er wolle künftig Entscheidungen gemeinsam in der Geschäftsführung treffen. Ist das schon fix per Geschäftsordnung ausgemacht?

Zechner: Alexander Wrabetz hat ganz klar gesagt, dass er mit einem Board-System angetreten ist, und dabei bleibt. Also eine Art Vorstandsmodell, in dem Entscheidungen mit Mehrheit getroffen werden müssen, und sowohl die Stimmen dafür als auch dagegen müssen erklärt werden, was transparent macht, wie die Entscheidung zustandegekommen ist.

STANDARD: Sie sind seit 2012 Fernsehdirektorin von ORF-General Alexander Wrabetz. Gab’s Fälle, in denen der Generaldirektor ihre Vorschläge abgelehnt hat. Man könnte sich zum Beispiel das Frühstücksfernsehen vorstellen, das ja nicht zur Fernseh- sondern zur Generaldirektion ressortiert.

Zechner: Es gab nicht viele, aber einige Entscheidungen gegen meine Vorschläge mit dazu führenden Diskussionen. Aber ich führe diese Diskussionen sehr intensiv intern, und wenn es eine Entscheidung gibt, wird die Entscheidung gemeinsam getragen.

STANDARD: Kommende Woche präsentieren Sie die ORF-Programmvorhaben für die Saison 2016/17. Schon absehbar sind etwa der Wiener Schalko-Landkrimi "Höhenrausch" und "Sommernachtsmord" aus Tirol, weitere "Dancing Stars" im Frühjahr, "Vorstadtweiber 3" müssen erst gedreht werden. Zudem Dokus über Anna Sacher, Werner Botes Alles unter Kontrolle, Hermann Maier über das Naturjuwel Salzburg. Und sonst?

Zechner: Wir präsentieren alles kommende Woche.

STANDARD: ORF-Chef Alexander Wrabetz hat mehr Comedy, mehr österreichische Serien, mehr aktuelle Diskussionen, ein Musikmagazin, und etwa eine große europäische Actionshow mit ehemaligen Sportstars angekündigt.

Zechner: Ich habe Ideen für fünf Jahre, aber wie wir sie timen und welche davon wir umsetzen können, braucht inhaltliche Überzeugungsarbeit – und muss in unseren Finanzrahmen passen.

STANDARD: In fünf Jahren spätestens werden wir ein ganz anderes ORF 1 sehen, mit weniger Kaufserien und -filmen, die weite Teile des Programms ausmachen? Danach klang jedenfalls auch das Konzept von Alexander Wrabetz.

Zechner: ORF 1 ist sehr stark. Es hat einen großen Anteil von News, einen großen Anteil eigenproduzierter Fiction, sehr teuer, sehr erfolgreich. ORF 1 hat ganz starken Sport. Jeder der mich kennt, weiß, dass das Ziel ist, das mit guten Dingen auszubauen.

STANDARD: Der Generaldirektor hat in seinem Bewerbungskonzept eine bis zu einstündige Newsshow auf ORF 1 angekündigt, offenbar im Hauptabend.

Zechner: Das war schon in guter Abstimmung mit mir.

STANDARD: Noch einmal kurz zurück zur Struktur: Die Programmwirtschaft, also die Kontrolle über TV-Budgets, wanderte von der Fernsehdirektion 2012 in die Finanzdirektion. Sie hätten sie vermutlich gerne wieder zurück – lieber, als etwa zu den Channel Managern verlagert.

Zechner: Das ist Teil der Diskussion. Und die Prioritäten lauten da: Erstens, zweitens und drittens: Programm. Drittens, viertens und fünftens: Kolleginnen und Kollegen. Sechstens: Budget und Struktur. (Harald Fidler, 16.9.2016)

  • ORF-Direktorin Kathrin Zechner (hier mit ORF-Chef Alexander Wrabetz): "Ich finde es erstaunlich und beruhigend, dass der Generaldirektor gemeint hat, dass wir nicht nur die Budgets gemeinsam erarbeiten, sondern auch die Struktur gemeinsam erarbeiten. Da werde ich mich sicher stark einbringen, einen Workflow zu ermöglichen, der modern ist und machbar."
    foto: apa/erwin scheriau

    ORF-Direktorin Kathrin Zechner (hier mit ORF-Chef Alexander Wrabetz): "Ich finde es erstaunlich und beruhigend, dass der Generaldirektor gemeint hat, dass wir nicht nur die Budgets gemeinsam erarbeiten, sondern auch die Struktur gemeinsam erarbeiten. Da werde ich mich sicher stark einbringen, einen Workflow zu ermöglichen, der modern ist und machbar."

  • ORF-Direktorin Kathrin Zechner (53) ist noch bis Ende 2016 für das gesamte ORF-Fernsehen zuständig. Ab 2017 ist sie Programmdirektorin – und sie verantwortet nach bisherigem Konzept nicht mehr für die gesamte TV-Information.
Zechner war schon 1995 bis Ende 2002 als Intendantin des ORF für Programm zuständig, damals gab es noch einen TV-Informationsintendanten.
Zwischen ORF und ORF (2011 kehrte sie als TV-Direktorin auf den Küniglberg zurück) war Zechner künstlerische Leiterin und Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien.
Vor 1995 arbeitete Zechner als Unterhaltungschefin beim Privatsender Tele 5 und beim TV-Produktionsriesen Endemol (heute Endemol Shine).
    foto: apa/georg hochmuth

    ORF-Direktorin Kathrin Zechner (53) ist noch bis Ende 2016 für das gesamte ORF-Fernsehen zuständig. Ab 2017 ist sie Programmdirektorin – und sie verantwortet nach bisherigem Konzept nicht mehr für die gesamte TV-Information.

    Zechner war schon 1995 bis Ende 2002 als Intendantin des ORF für Programm zuständig, damals gab es noch einen TV-Informationsintendanten.

    Zwischen ORF und ORF (2011 kehrte sie als TV-Direktorin auf den Küniglberg zurück) war Zechner künstlerische Leiterin und Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien.

    Vor 1995 arbeitete Zechner als Unterhaltungschefin beim Privatsender Tele 5 und beim TV-Produktionsriesen Endemol (heute Endemol Shine).

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