130.000 Österreicher mit Demenz: Caritas fordert mehr Geld

16. September 2016, 15:52
5 Postings

Demenzerkrankungen sind der Grund Nummer eins für Pfegebedürftigkeit. Die Caritas fordert dringend finanzielle Mittel für den Pflegebereich

"Bereits fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung sind heute älter als 80 Jahre. Im Jahr 2050 werden es mit 11,5 Prozent mehr als doppelt so viele sein – rund eine Million Menschen", sagt Caritas-Präsident Michael Landau. Er verlangt daher "dringend, dass die finanziellen Mittel für den Pflegebereich sichergestellt werden." Der bis 2018 laufende Pflegefonds müsse per Gesetz auf Dauer verankert werden.

Mehr als 455.000 Menschen haben im Vorjahr Pflegegeld bezogen. Der Bedarf werde steigen, die Aufmerksamkeit für das Thema stagniere aber, sagt Landau. Er forderte von der Politik die Verlängerung des Pflegefonds, die Erhöhung des Pflegegeldes und die Erweiterung der Pflegefreistellung sowie die Umsetzung der Demenzstrategie.

In Sachen Pflegegeld kritisierte Landau, dass dieses "von der Inflation weggeschmolzen wird". Zu Jahresbeginn wurde das Pflegegeld zwar für alle sieben Pflegegeldstufen um zwei Prozent angehoben. Der Wertverlust betrage seit Einführung des Pflegegeldes im Jahr 1993 jedoch bereits 30 Prozent. "Das Pflegegeld muss jährlich valorisiert und wertangepasst werden", so der Wunsch der Caritas.

Rechtsanspruch für Kinder

Bei der Pflegefreistellung sind Kinder, die ihre Eltern pflegen wollen, vom Zusammenleben im gemeinsamen Haushalt abhängig, erläuterte Landau. Er schließe sich daher der Forderung des Sozialministeriums an, das hier eine rasche Gesetzesänderung vorgeschlagen habe. "Erwachsene Kinder benötigen einen Rechtsanspruch, um sich um ihre Eltern kümmern zu können – auch dann, wenn sie nicht unter demselben Dach wohnen."

"Schon heute sind Demenzerkrankungen der Grund Nummer eins für Pflegebedürftigkeit", hob Landau noch einmal die beiden Themen hervor, denen die Caritas in den kommenden Wochen einen Schwerpunkt widmet. "Die Zahl der Demenzkranken wird in Österreich auf 130.000 Menschen geschätzt – Tendenz steigend." Die Ende 2015 von der Bundesregierung vorgestellte Demenzstrategie "Gut leben mit Demenz" sei ein Fortschritt. Es sei aber "zu ruhig" um das Thema geworden und die Strategie gehöre rascher umgesetzt.

Monika Natlacen, Vizepräsidentin der Selbsthilfegruppe Alzheimer Austria, schloss sich den Appellen an. Sie kritisierte die Stigmatisierung von Demenz, ebenso wie ein von der Krankheit betroffener Redner bei der Pressekonferenz. "Wünschen würde ich mir ein verständnisvolles Umfeld", sagte Hellmut. Der Pensionist und frühere Schriftsetzer sowie Manager im Bereich Werbung und Baustoffhandel lebt mit seiner Frau zusammen, der nach vier Schlaganfällen seit sieben Jahren die höchste Pflegestufe zusteht. Er profitiert auch von der Pflegerin seiner Frau. Bei einer Erhöhung des Pflegegeldes sollten aber künftig Menschen mit Demenzerkrankung stärker berücksichtigt werden, forderten Landau und Natlacen. (APA, 16.9.2016)

  • Erwachsene Kinder benötigen einen Rechtsanspruch, um sich um ihre Eltern kümmern zu können – fordert die Caritas.
    foto: apa/dpa-zentralbild/jens kalaene

    Erwachsene Kinder benötigen einen Rechtsanspruch, um sich um ihre Eltern kümmern zu können – fordert die Caritas.

Share if you care.