Countdown: Start der herbstlichen Messesaison

17. September 2016, 09:00
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Am 20. September eröffnet die Satellitenmesse Parallel Vienna in der Alten Post (Dominikanerbastei), tags darauf zelebriert die Viennacontemporary in der Marx-Halle ihr Opening

Verglichen mit dem Vorjahr läuft die herbstliche Messesaison in Wien in ruhigeren Bahnen. Die Begleitmusik zum Thema Viennafair ist verstummt. Über Jahre hatte das auf zeitgenössische Kunst mit Schwerpunkt auf Ost- und Südeuropa fokussierte Format im Oktober stattgefunden. Dem Veranstalter und vielen Teilnehmern war dieser Termin aufgrund der zeitnahen Frieze (London) jedoch ein Dorn im Auge.

Bemühungen um eine Vorverlegung scheiterten am Quartiergeber und Markeninhaber Reed Exhibitions. Letzterer hatte die Organisation des Events im Jänner 2012 ausgelagert. Vorerst führte der russische Investor Sergej Skaterschikow Regie, im Herbst 2013 übernahm dann Teilhaber Dmitri Aksenow die Leitung. Als Kontinuum fungiert Christina Steinbrecher-Pfandt, die 2012 (bis 2014 gemeinsam mit Vita Zaman) die künstlerische Leitung übernahm.

Die Lösung für das Terminproblem: Man wechselte den Standort und den Namen. Im September 2015 gab die Viennacontemporary in der Marx-Halle ihr Debüt. Dass kurz darauf dennoch eine Viennafair am alten Standort stattfand, war dem ambitionierten Veranstalter Wolfgang Pelz (Art Port) geschuldet, dem Reed, gegen eine Lizenzgebühr von rund 60.000 Euro, für eine Auflage die Messemarke überließ. Der am Konzept der Frieze Masters orientierte Schulterschluss zwischen Galerien und Kunsthandel gelang eher mau. Schwamm drüber, die Viennafair findet heuer nicht statt.

Derweilen laufen die Vorbereitungen für die aktuelle Viennacontemporary (22.-25. 9.) in St. Marx auf Hochtouren. 112 Galerien aus 28 Ländern (2015: 99 Galerien, 25 Ländern) schlagen dort ihr temporäres Quartier auf. Der traditionelle Fokus ist heuer Exjugoslawien und Albanien gewidmet. Weiters geben "Nordic Highlights" ein Gastspiel, konkret zeitgenössische Positionen ausgewählter Galerien aus Finnland, Dänemark und Schweden.

Zusätzlich zur "Zone1", die der Einzelpräsentation junger Österreicher vorbehalten ist, gibt es den neuen Sektor "Solo Expanded" mit Einzel- und Kooperationsprojekten von Künstlern und Galerien. So weit ein grober Überblick, die zahlreichen Begleitveranstaltungen (u. a. Film- und Videokunst, Diskussionsreihen) noch gar nicht inkludiert.

Abseits des eher konventionellen Brimboriums geht die Parallel Vienna (21.-25. 9.) in ihr viertes Veranstaltungsjahr. Als Satellitenmesse und kuratierte Gesamtschau hat man sich in der Branche über die geografischen Grenzen Österreichs hinaus längst einen Namen gemacht. Davon zeugen nicht nur zwei Busladungen von Akademieabsolventen aus Budapest, die für kommende Woche ihren Besuch avisierten, sondern auch zehn internationale Kuratoren (u. a. aus Rumänien, Kroatien den USA und Dänemark), die in Kooperation mit dem Bundeskanzleramt eingeladen wurden.

Parasit mit Vision

Als Schauplatz erkor man, nach dem Alten Telegrafen- (2013) und dem Zollamt (2014), wie schon 2015 die Alte Post auf der Dominikanerbastei, die auf drei Ebenen fünf Tage lang Galerien, Kunstvereine, Project-Spaces und kuratierte Projekt- und Künstlerräume beherbergen wird. Das Gebäude steht im Eigentum des Investors Michael Tojner und der Soravia Group, die hier bis zum Frühjahr 2019 ein Hotel- und Gastronomieprojekt realisieren wollen. "Es werden sich andere leerstehende Immobilien finden, die wir als Plattform für Gegenwartskunst nutzen können", ist der künstlerische Leiter und Mitbegründer der Parallel Vienna, Stefan Bidner, überzeugt.

Medial ist man mittlerweile erfolgreich, wirtschaftlich weniger, erklärt der Veranstalter, der 12.000 Euro in eine Notlichtanlage investiert hat. Die Miete für die Teilnehmer bleibt mit 1000 Euro betont günstig. Das Minus aus dem Vorjahr nimmt Bidner gelassen, handle es sich doch um eine Investition in die Zukunft. Die Vision als Parasit führt bis nach London oder Basel, nicht zwangsläufig als Messe, aber als Marke für kuratierte Shows mit Qualitätsanspruch. (Olga Kronsteiner, Album, 17.9.2016)

  • Am Wochenende zieht mit der Parallel Vienna Gegenwartskunst in die Räume der Alten Post ein.
    foto: b. segschneider, parallel vienna

    Am Wochenende zieht mit der Parallel Vienna Gegenwartskunst in die Räume der Alten Post ein.

  • 2015 gab die Viennacontemporary in der Marx-Halle, einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, ihr Debüt.
    foto: viennacontemporary, a. murashkin

    2015 gab die Viennacontemporary in der Marx-Halle, einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, ihr Debüt.

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