"PES 2017" im Test: Der beste Kick des Jahres

18. September 2016, 11:00
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Konamis Fußballsimulation beeindruckt auf dem Platz, lässt aber in Puncto Lizenzen viele Wünsche offen

Das Geschäft mit dem virtuellen Fußballspiel ist nicht leicht. Da sicherte sich Konami zuletzt Premiumpartner wie den FC Barcelona und Borussia Dortmund und schon macht EA Sports Verträge mit dem FC Bayern München, Real Madrid und Juventus Turin klar. Das Ergebnis ist ein Trümmerfeld von Fantasienamen, in dem sich manch einer nicht zu Unrecht wundern wird, was denn nun "PM Black White" oder "Man Red" sein sollen. Nun ja, es wäre beinahe schon zum Lachen, wenn original Team- und Spielernamen nicht so essentiell für die Atmosphäre eines Fußballspiels wären.

Auch in diesem Jahr legt "PES 2017" zwar mit exotischen Clubs aus Südamerika mächtig nach, doch die Top-Teams Europas verstecken sich oftmals noch hinter kryptischen Kürzeln. Immerhin stimmen die Kader und sollen auch zukünftig dank regelmäßiger Online-Updates auf den neusten Stand gebracht werden. Die beste Nachricht aber: Das Lizenz-Dilemma bleibt bei "PES 2017" der nahezu einzig dramatische Kritikpunkt und kann speziell auf PC mit dem mächtigen Editor schnell beseitigt werden.

foto: pes 2017
Bild: "Das Lizenz-Dilemma bleibt bei "PES 2017" der nahezu einzig dramatische Kritikpunkt"

Taktik, Technik und Trickserei

Denn auf dem virtuellen Rasen selbst spielt Konami in diesem Jahr zweifellos in der Champions League und liefert das beste "Pro Evolution Soccer" der aktuellen Konsolengeneration ab. Schon beim ersten Match im legendären Camp Nou des FC Barcelona fällt die stark verbesserte Technik auf: Die Einmärsche sind effektvoller und schöner inszeniert. An der Seitenlinie passiert dank Balljungen und Trainern mehr.

Das Spielgeschehen wiederum läuft einen Tick langsamer als noch beim Vorgänger ab. Das wiederum gibt einem mehr Zeit zum Spielaufbau, ohne diesem aber die Dynamik zu rauben. Daran mangelt es zweifellos nicht: Die Mitspieler-KI bleibt herausragend. Kaum hat man den Ball erobert, sprinten Stürmer in Gassen und Flügelspieler bringen sich in Position. Flanken sind eine effektive Alternative zum beliebten Tiki-Taka und kommen mit mehr Wucht in den Strafraum. Trotzdem bleibt gerade das Zusammenspiel der Offensivkräfte enorm wichtig und motiviert dank zusätzlicher Animationen. Wenn Stars wie Messi oder Suarez das Leder gekonnt per Hakentrick weiterleiten oder sie ihren Gegenspieler nur mit einer Körperbewegung aussteigen lassen, kommt Freude vor dem Bildschirm auf. "PES 2017" steuert sich wie aus einem Guss und schafft den Spagat zwischen Anspruch und Einsteigerfreundlichkeit.

Gerade Kenner der Fußballsimulation erfreuen sich an den zusätzlichen taktischen Möglichkeiten. Wie auf dem Reißbrett schieben Fußballlehrer ihre Schützlinge hin und her, geben individuelle Befehle und wägen Stärken und Schwächen ab. Dazu wählt man nun im Spiel zwischen vier erweiterten Taktiken wie Gegenpresse oder offensive Außenverteidigern aus. Diese Strategien wirken sich überdeutlich auf das Spielgeschehen aus und sind mitunter das Zünglein an der Waage. Damit bietet "PES 2017" deutlich mehr Möglichkeiten, das eigene Spiel zu individualisieren als die Konkurrenz.

Aus Fehlern gelernt

Zudem bügelt Konami viele Problemfelder des ebenfalls gelungenen Vorgängers aus. Das Zweikampfverhalten ist nun besser ausbalanciert. Wuchtige Verteidiger drängen wendige Dribbelkünstler einfach ab. Dadurch verlieren gerade Star-Spieler wie Messi oder Neymar an Dominanz. Die Torhüter kleben nicht mehr stoisch auf der Linie, sondern agieren offensiv. Bei Alleingängen laufen sie aus dem Kasten heraus oder versuchen gar, Flanken abzufangen. Alles in allem wirkt der Spielfluss stimmiger und realistischer als noch beim Vorgänger. Einzig die gelegentlich etwas zu laschen Schiedsrichter und die mitunter merkwürdigen Fouls schmälern den überaus gelungenen Gesamteindruck. "PES 2017" zeigt sich spielerisch wie grafisch auf höchstem Niveau und ist nicht nur die schönste, sondern auch spielbarste Fußballsimulation auf dem Markt. Wenngeich die PC-Version gegenüber PS4 und Xbox One zu Wünschen übrig lässt.

In puncto Modusauswahl gibt sich Konami dagegen eher konservativ. Neben allerlei Pokal- und Ligawettbewerben wie der Champions League locken vor allem Langzeitmodi wie myclub oder die Meisterliga. Letztere profitiert von aufgeräumteren Menüs und entschlackten Optionen. Neue Spielerfertigkeiten sorgen für Abwechslung beim Training und motivieren durchaus. Allerdings wagt "PES 2017" keinerlei Experimente und erscheint zuweilen noch immer zu verkopft und steif. Daher bleibt abzuwarten, ob nicht gerade "FIFA 17" mit seinem Story-Modus "The Journey" vielleicht nicht doch eher den Massengeschmack treffen wird.

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Video: Wir spielen "PES 2017"

Fazit

Konami legt in diesem Jahr mit "PES 2017" mächtig vor und zeigt sich in nahezu allen Bereichen verbessert. Speziell die taktischen Möglichkeiten und das nochmal verbesserte Aufbauspiel machen den Unterschied aus. Auch die Präsentation wirkt – trotz schwachem deutschen Kommentar – gelungen. Allerdings müssen PC-Spieler kleinere Einschränkungen in Kauf nehmen, die Konsolenfassung für PS4 und Xbox One sieht nämlich einen Hauch besser aus. Das ändert allerdings nichts daran, dass die wahren Stärken von "PES 2017" auf dem Platz liegen. Dort ist Konamis Sportsimulation in diesem Jahr König Fußball, den "FIFA 17" nur sehr schwer von seinem Thron herunter schubsen wird.

"PES 2017" ist am 15. September 2016 für PC, Xbox One, Playstation 4, Xbox 360 und Playstation 3 erschienen. UVP: ab 49,99 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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PES 2017

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Wir spielen "PES 2017": Schöner war Konamis Fußballspiel nie

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