Ehemaliger Italienischer Staatspräsident Ciampi gestorben

16. September 2016, 17:01
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War zwischen 1999 und 2006 italienischer Präsident – Für Italiener "Mister Euro"

Carlo Azeglio Ciampi galt nicht als Mann großer Gefühlsausbrüche – doch zu Silvester 1998/99, in einem düsteren Raum der nationalen Münzprägeanstalt in Rom, liefen dem damaligen Finanz- und Wirtschaftsminister Freudentränen über die Wangen: Ciampi hielt die erste italienische Euro-Münze in Händen.

Dass Italien 1999, statt bankrottzugehen, gleich im ersten Anlauf den Beitritt zur Europäischen Währungsunion schaffte, war hauptsächlich Ciampis Verdienst: Schon als Notenbankpräsident (1979 bis 1993) und als Regierungschef (1993 bis 1994) hatte sich der parteilose Jurist und Finanzexperte bemüht, seinem Land Stabilität zu verleihen.

Zum "Signor Euro" wurde Ciampi als Finanz- und Wirtschaftsminister unter Romano Prodi und Massimo D'Alema: Dank der Rosskur, die er dem Land verschrieb, konnte Italien die Brüsseler Kriterien erfüllen.

Der 1920 in Livorno (Toskana) geborene Ciampi hatte sich im Zweiten Weltkrieg als junger Offizier den Partisanen angeschlossen, um gegen die faschistischen Besatzer zu kämpfen; die Kriegserfahrung machte ihn zu einem überzeugten Europäer und einem Mann der Institutionen. Die Krönung seiner Karriere erlebte Ciampi, als er im Mai 1999 zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Der stets etwas schüchtern Wirkende sollte in seinen sieben Amtsjahren zu einem der beliebtesten Staatsoberhäupter der Italiener werden.

Sein Hochhalten rechtsstaatlicher Prinzipien brachte ihn bald in Konflikt mit Premier Silvio Berlusconi. Ciampi widersetzte sich der schleichenden Aushöhlung des Staatswesens, verweigerte zahlreichen Gesetzen, die Berlusconi in eigener Sache erließ, seine Unterschrift – allen voran dem Immunitätsgesetz und dem Mediengesetz. Verhindern konnte er die Gesetze nicht, nur verzögern.

Ciampi nannte verfassungswidrig, was verfassungswidrig war; er kämpfte – wie schon als junger Partisan – für die Republik: ruhig, sachlich, ohne unnötige Polemik. Er galt als unparteiischer Schiedsrichter, Ciampis Name wurde zum Synonym für Würde und Korrektheit.

Am Freitag ist Ciampi im Alter von 95 Jahren in Rom gestorben. Ministerpräsident Matteo Renzi würdigte Ciampi als "Staatsmann, der Italien mit Leidenschaft gedient hat". (Dominik Straub aus Rom, 16.9.2016)

  • Eine Archivaufnahme von Ciampi aus dem Jahr 2007.
    foto: reuters

    Eine Archivaufnahme von Ciampi aus dem Jahr 2007.

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