Politik braucht Promille!

Kolumne16. September 2016, 11:40
2 Postings

Süffige Perspektiven für unser Österreich

Traurig, aber wahr: Ständig kommt es vor, dass Menschen zu viel Alkohol trinken. Richard Burton hat zu viel getrunken, Elizabeth Taylor hat zu viel getrunken, Helmut Qualtinger hat zu viel getrunken, Oskar Werner hat zu viel getrunken, Lorenz Gallmetzer hat zu viel getrunken und auch Marguerite Duras, nämlich sieben Flaschen Wein pro Tag.

Damit lag sie zwar deutlich unter dem Schnitt von Ex-Landsmann Gérard Depardieu, der den Morgen gerne mit ein, zwei Litern Vin de Soif (Durstwein) beginnt und sich an guten Tagen schon einmal 13 oder 14 Bouteillen einverleibt. Aber auch sieben Fläschchen Chablis oder Beaujolais sind ja nicht ohne. "Damit befand sich die französische Dichterin weit jenseits der gängigen Grenzwerte für problematischen Alkoholkonsum", informiert das aktuelle Profil trocken und zerstört so die alte österreichische Tranklerüberzeugung, dass 21 Vierteln in Wahrheit in die Rubrik Kavalierspitz gehören.

Zur moralischen Entlastung unserer Problem- und Erleichterungstrinker muss hier gesagt werden, dass man einiges in Österreich seit je nur mit massiven Alkoholquanten gut verdauen konnte. Dazu zählen das Surschnitzel, die Stözn, der bochene Emmentaler, die Salzburger Nockerln oder die Kässpätzle, welche allesamt umgehend zu akutem Darmstillstand führen, so man sie nicht a posteriori mit einigen Stamperln Hochprozentigem entfettet ("Verrisserle", das "Zerreißerchen", heißt der hübsche alemannische Ausdruck für den Verdauungsschnaps).

Noch viel schwerer verdaulich als jede Stözn ist freilich die österreichische Politik, die sich nur von den leberstärksten Staatsbürgern adäquat verstoffwechseln lässt. Jeder Wahlslogan von Herbert Kickl wirkt zuverlässig so, als hätte er ihn in einer Restfettn von zwei Promille ausgedacht. Ohne fünf Fluchtachtel in der Parlamentskantine drücken schon heute etliche Abgeordnete die Plenarsitzungen kaum mehr durch. Und spätestens, wenn sich der Bu-Prä-Wahlkampf nach einem erneuten Kleberskandal bis in den Herbst 2019 dahinzieht, sollten wir "Oans, zwoa, gsuffa" zur nächsten Bundeshymne machen.

Dabei haben wir von politischen Aussichten, die nach fassweisem Entlastungstrinken schreien, noch gar nicht geredet: ein Regierungstandem Strache/ Hofer zum Beispiel! Dagegen wäre sogar ein Delirium tremens der reinste Wohlfühlurlaub. (Christoph Winder, Album, 16.9.2016)

Share if you care.