Wie die EU liefert: Ceta als großes Thema in der "ZIB 2"

16. September 2016, 11:11
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Man kann sich als EU-Bürger auch einfach geliefert vorkommen

Die EU möchte mit Kanada ein Freihandelsabkommen namens Ceta schließen. Fertig ausverhandelt liegt es vor. Jetzt will in einzelnen EU-Staaten wie dem kleinen Österreich leider keine ungeteilte Freude aufkommen. Ein roter Kanzler muckt auf, fordert "entsprechende Auslegungen", und prompt schickt Brüssel Emissäre, um jetzt, circa fünf nach zwölf, wertvolle Überzeugungsarbeit zu leisten.

In der ZiB 2 war aktuell zu bewundern, wie die Brüsseler Zentrale beim widerspenstigen Unionsvolk Gehör zu finden hofft. Gezeigt wurde zunächst ein ungewöhnlich sauertöpfischer Jean-Claude Juncker. Der räumte in Straßburg eine "in Teilen existenzielle Krise" der EU ein. Ceta nachverhandeln, um etwa auch das jeweilige Staatsvolk mit ins Boot zu holen? Kommt für den verdienten Luxemburger nicht in die Tüte. Dafür sah man Handelsdelegierte, die sich beim Sektflötchen auf das "Blühen" der Wirtschaft freuten.

Die Zuschaltung von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström ließ dann endgültig den Bildhintergrund zu blauem, formschönem Eis gefrieren. Um die Lippen der Dame spielte ein Lächeln, das Lehrerinnen ungelehrigen Kindern zu schenken pflegen – solchen, die jede Schulklasse wiederholen, ohne je die Erlangung von Reife attestiert zu bekommen.

Moderator Tarek Leitner wurde seinerseits immer einsilbiger. Malmström wollte in ihrer Sorge um ein Zustandekommen des Abkommens ausdrücken, dass die EU "liefern kann". Leitner, der mustergültig sachlich blieb, ließ spüren: Man kann sich als EU-Bürger auch einfach geliefert vorkommen. So melancholisch stimmt mitunter Fernsehen, das nichts anderes tut, als seiner Informationspflicht nachzukommen. (Ronald Pohl, 16.9.2016)

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