13-jähriger Schwarzer in Ohio von Polizist erschossen

16. September 2016, 11:20
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Beamter tötete Buben durch mehrere Schüsse

Im US-Bundesstaat Ohio wurde am Mittwoch ein 13-jähriger Schwarzer von einem weißen Polizisten erschossen. Der Beamte hatte im Rahmen eines Einsatzes aufgrund von Berichten über einen bewaffneten Raub agiert. Der Bub wurde durch mehrere Schüsse getroffen, als ihn der Polizist in einer Gasse in der Stadt Columbus stellte. Zuvor soll der 13-Jährige eine Waffe gezogen haben, die sich später als Attrappe herausstellte, so die Polizeibehörde am Donnerstag.

"Es ist eine Tragödie, wenn so etwas passiert", sagte Polizeichefin Kimberley Jacobs bei einer Pressekonferenz: "Das ist das Letzte, was ein Polizist will." Es habe wie eine tödliche Waffe ausgesehen, sagte Jacobs, als sie den Medienvertretern ein Foto der Attrappe zeigte. Bei dem Polizisten, der die Schüsse abgegeben hatte, handelt es sich um einen Veteranen. Er wurde temporär vom Streifendienst abgezogen. Auf ihn wartet eine interne Untersuchung.

Die Waffenattrappe, die bei dem 13-Jährigen gefunden wurde.

Verfolgungsjagd

Der Vorfall ereignete sich am Mittwochabend kurz vor 20 Uhr. Die Polizei wurde zu einem bewaffneten Raubüberfall gerufen. Ein Opfer berichtete den Beamten, dass eine Gruppe von Männern Geld verlangt und ihn mit einer Waffe bedroht hätte. Kurze Zeit darauf trafen die Polizisten auf drei Buben – unter ihnen den 13-Jährigen –, auf die die Beschreibung der Verdächtigen passte, so die Polizeibehörde. Als die Beamten sie befragen wollten, ergriffen der 13-Jährige und ein weiterer Jugendlicher die Flucht. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf, kurz darauf fielen die tödlichen Schüsse. Der zweite Jugendliche konnte gestellt werden, wurde aber kurz darauf wieder freigelassen.

Die Familie des Opfers ließ durch ihre Anwälte ausrichten, dass "zahlreiche Zeugenaussagen in direktem Konflikt mit der Aussage des Polizeibeamten zum Tathergang" stünden. Die Angehörigen fordern eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls.

foto: apa/afp/paul vernon
Beamte in der Nähe des Tatortes in Columbus.

Gegen Polizeigewalt

Mehr als 150 Personen versammelten sich am Donnerstag zu einer Gedenkveranstaltung in der Nähe des Tatorts.

Die tödlichen Schüsse auf den 13-Jährigen fielen fast zwei Jahre nachdem der zwölfjährige Tamir Rice durch einen weißen Polizisten in Cleveland erschossen worden war. Rice war ebenfalls schwarz. Sein Tod war einer der Auslöser für zahlreiche Demonstrationen und Proteste gegen Polizeigewalt an Schwarzen in den USA. (red, Reuters, 16.9.2016)

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