"The Turing Test" im Test: Houston, wir haben ein Problem

16. September 2016, 09:43
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Der Science-Fiction-Puzzler fordert sowohl in Sachen Rätsel als auch mit seiner Story zum angestrengten Grübeln heraus.

Es ist schon fast ein kleines Subgenre: physikbasierte First-Person-Puzzler, in denen von Raum zu Raum stetig kniffliger werdende Rätsel gelöst werden wollen, während große Fragen moralischer oder gar philosophischer Natur verhandelt werden. Da gibt es natürlich das unerreichte "Portal", das geniale "The Talos Principle", und auch Jonathan Blows Opus Magnum "The Witness" unterfüttert seine haarigen Rätsel mit Metaphysik und philosophischen Fragen der Naturwissenschaft.

Das vor kurzem erschienen "The Turing Test" (Windows, Xbox One, 19,99 Euro) tritt also in große Fußstapfen. Die Ausgangssituation: Eine einsame Astronautin rätselt sich nur in Begleitung einer künstlichen Intelligenz auf dem Jupitermond Europa durch eine verlassene Raumstation. Der Parcours, auf dem in steigendem Schwierigkeitsgrad durchaus originelle Puzzles gelöst werden wollen, wurde von der verschwundenen Crew nur mit dem einen Zweck errichtet, ausschließlich menschlicher Intelligenz lösbar zu sein – der titelgebende "Turing Test" ist bekanntlich ein Verfahren, um die Menschenähnlichkeit künstlicher Intelligenz zu testen.

Philosophie und Puzzles

Eine geniale originelle Spielmechanik wie in "Portal" gibt es nicht, und dennoch überraschen die gestellten Aufgaben bald durch Komplexität. Energiebälle wollen verschoben, Schalter in der richtigen Reihenfolge umgelegt und Mechanismen wieder in Gang gebracht werden. Besonders nach kniffligen Räumen belohnt der Aha-Effekt das Um-die-Ecke-Denken und angestrengte Grübeln. Die Story, die sich im Dialog zwischen der Protagonistin und der KI entspinnt, ist dabei durchaus ambitioniert: Die zentralen Fragen, was künstliche von menschlicher Intelligenz unterscheidet, ob freier Wille existiert, nach Moral und Verantwortung machen "The Turing Test" in seinen besten Momenten zur hintergründig philosophischen Science-Fiction – als Story-Elemente zwischen stolzen 70 Rätselräumen verkommen die Dialoge aber auch manchmal zum gar theorielastigen Lückenfüller.

bulkhead interactive
Video: Trailer zu "The Turing Test"

Große Erwartungen

Das größte Problem von "The Turing Test" ist allerdings nicht im Spiel selbst verortet, sondern in seiner Nachbarschaft: Die Erwartungshaltung, mit den eingangs genannten ganz großen Vorbildern mitzuhalten, lässt die kleinen Schwächen eines ansonsten eigentlich rundum gut gelungenen First-Person-Puzzlers umso mehr ins Gewicht fallen. Dass Humor und Kreativität eines "Portal", Hintergründigkeit und Umfang eines "The Talos Principle" und die Stilsicherheit eines "The Witness" von diesem Spiel nicht übertroffen werden, soll Spielerinnen und Spieler auf der Suche nach Rätselfutter aber nicht von der Reise in dieses Labyrinth abhalten.

"The Turing Test" ist ein angenehm kniffliges, inhaltlich ambitioniertes Rätselabenteuer, das sich im Schatten der alles überragenden Genregiganten gut behaupten kann – nicht mehr, aber auch nicht weniger. (Rainer Sigl, 16.9.2016)

"The Turing Test" ist für Windows und Xbox One erschienen. UVP: 19,99 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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The Turing Test

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    bild: the turing test
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