Merkel: "Müssen Pressefreiheit immer wieder verteidigen"

15. September 2016, 20:59
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Deutsche Regierungschefin sprach bei Preisverleihung – Italienischer Journalist Roberto Saviano mit Medienpreis M100 ausgezeichnet

Zuerst Paris, dann Potsdam: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ es sich trotz der Vorbereitungen für den EU-Gipfel in Bratislava nicht nehmen, den italienischen Journalisten Roberto Saviano mit dem Medienpreis M100 auszuzeichnen. "Wir alle können kaum ermessen, welche Ängste Sie ausstehen, während Sie im Verborgenen leben müssen", sagte die deutsche Regierungschefin am Donnerstagabend in ihrer Rede. Der Kampf für die Pressefreiheit erfordere den Mut engagierter Journalisten. "Und Sie, Herr Saviano, verkörpern diesen Mut", sagte Merkel. "Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Ihr Mut eines Tages dazu führen wird, dass die Missstände, die Sie beschreiben, beseitigt werden."

Saviano hatte vor zehn Jahren in seinem inzwischen auch verfilmten Welterfolg "Gomorrha" die Umtriebe der Camorra, der neapolitanischen Form der Mafia, beschrieben. Seitdem wird er von der Mafia bedroht und muss unter strengem Personenschutz leben. Die Laudatio auf Saviano hielt der mit ihm befreundete Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. "Niemals schreibt er dabei irgendjemandem nach dem Mund, nie duckt er sich vor irgendwem weg." Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sei für ihn "ein Stück Lebensversicherung".

Merkel bezog in ihrer Rede aber auch die rund 60 anwesenden Chefredakteure, Historiker und Politikwissenschafter ein: "Wir müssen die Pressefreiheit immer wieder aufs Neue verteidigen und uns daran erinnern, wie schnell sie in Gefahr geraten kann", betonte die Kanzlerin. "Pressefreiheit besteht aus der Abwesenheit staatlicher Kontrolle und Zensur. Sie bedeutet auch, über Missstände berichten zu können, ohne Angst vor Verfolgung."

"Merkels Anwesenheit schützt mich"

Roberto Saviano widmete seinen Preis Ahmet und Mehmet Altan, zwei türkischen Intellektuellen, die verhaftet wurden. "Danke, Angela Merkel, deren Anwesenheit hier mich schützt." Er hob ihre Rolle in Zusammenhang mit den Flüchtlingen hervor: "Deutschland ist ein Ort von grundlegender Bedeutung. Es hat eine andere Haltung gegenüber Flüchtlingen eingenommen, was es hervorhebt in der Welt. Durch Ihre Worte haben Sie mir gezeigt, dass man die Welt mit Empathie verändern kann." (Alexandra Föderl-Schmid, 15.9.2016)

  • Saviano, Di Lorenzo und Merkel am Donnerstag in Potsdam.
    foto: maurizio gambarini/pool photo via ap)

    Saviano, Di Lorenzo und Merkel am Donnerstag in Potsdam.

  • Artikelbild
    foto: apa/afp/pool/ralf hirschberger
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