Verhaftete IS-"Schläfer" reisten über Österreich nach Deutschland

15. September 2016, 17:47
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Die drei in Deutschland verhafteten Flüchtlinge sind über die Balkanroute eingereist, das Innenministerium schweigt

Jene drei Flüchtlinge, die am Dienstag wegen Terrorverdachts von der deutschen Polizei verhaftet wurden, sind im vergangenen Spätherbst über Österreich nach Deutschland gereist. Das erfuhr DER STANDARD aus deutschen Sicherheitskreisen. Die Männer ließen sich erstmalig auf der griechischen Insel Lesbos registrieren und reisten dann über die sogenannte Balkanroute weiter. Sie überquerten die österreichische Grenze von Slowenien aus.

Deutscher Innenminister: "Schläferzelle"

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière hatte die drei Männer als "Schläferzelle" bezeichnet. Zwei der Männer sollen ab Dezember, der Dritte ab Jänner von deutschen Behörden observiert worden sein. Der deutsche Verfassungsschutz überwachte die Mobiltelefone der Verdächtigen – und entdeckte dabei, dass sie mehrfach ihre SIM-Karten wechselten; außerdem wurden sie laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" "bis in die U-Bahn observiert".

Reise trotz Grenzkontrollen

Dass die Route der Terrorverdächtigen über Österreich führte, war naheliegend, wurde nun aber auch in Hintergrundgesprächen von deutschen Behörden bestätigt. Außerdem wurde bekannt, dass zwei der Männer spätestens im Dezember, der Dritte spätestens im Jänner nach Deutschland ausgereist waren.

Zu diesem Zeitpunkt waren schon Grenzkontrollen durchgeführt worden– sowohl an der slowenisch-österreichischen als auch an der Grenze nach Bayern. Die deutschen Sicherheitsbehörden hatten von europäischen und US-amerikanischen Geheimdiensten Hinweise auf eine etwaige Gefahr durch das Trio erlangt.

Die Männer hatten ihre Pässe aus der Fälscherwerkstatt, auf die auch die Attentäter von Paris zurückgegriffen haben. Unklar ist, ob auch österreichische Behörden über die wahre Identität der drei Männer Bescheid gewusst haben. Eine diesbezügliche Anfrage des STANDARD beim Innenministerium blieb am Donnerstag unbeantwortet.

Nicht die erste Festnahme

Im Dezember waren in Salzburg zwei Flüchtlinge festgenommen worden, die ebenfalls Bezug zu den Paris-Attentätern hatten. Damals hatten österreichische Behörden mit ausländischen Geheimdiensten kooperiert. Mittlerweile sind diese Männer nach Frankreich ausgeliefert worden.

Terrorprozesse in Innsbruck

Wegen Unterstützung einer schiitischen Terrormiliz im Irak stand am Donnerstag ein 21-Jähriger in Innsbruck vor Gericht. Der Asylwerber, der im Juni 2015 nach Österreich kam, bestritt die Vorwürfe. Er wurde – nicht rechtskräftig – zu zwei Jahren Haft verurteilt, 16 Monate davon bedingt. Ein 28-Jähriger, der zwischen Sommer 2014 und Frühjahr 2015 für eine schiitische Miliz im Irak gekämpft haben soll, wurde am Donnerstag zu zweieinhalb Jahre Haft verurteilt. (Fabian Schmid, Markus Sulzbacher, 15.9.2016)

  • Die Verdächtigen wurden am Dienstag in der Nähe von Hamburg festgenommen
    foto: ap/afp

    Die Verdächtigen wurden am Dienstag in der Nähe von Hamburg festgenommen

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