Andreas Nadler, ein Mann vom Fach für die ORF-Finanzen

Kopf des Tages15. September 2016, 18:01
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Andreas Nadler löst Richard Grasl als Finanzdirektor am Küniglberg ab

Andreas Nadler wird, was er eigentlich seit Jahr und Tag war: der zweite Mann hinter Alexander Wrabetz, wenn es um die Finanzen des ORF geht.

Nadler war das wirtschaftliche Basislager vieler kaufmännischer ORF-Direktoren: von Richard Grasl, den er nun mit Jahreswechsel ablöst. Von Sissy Mayerhoffer, die Grasl 2009 abgelöst hat. Und von Wrabetz, der 1998 bis 2006 kaufmännischer Direktor war. "Nadler ist ein hervorragender Experte, er war sieben Jahre mein Stellvertreter, und er wird diese Aufgabe sehr gut machen", sagte Grasl am Donnerstag nach der Bestellung.

Emotionsloser Technokrat

Grasls Heimatfraktion, die ÖVP und ihre Stiftungsräte, hatte einen anderen Finanzdirektor durchsetzen wollen: Roland Weissmann, Wegbegleiter Grasls vom Studio Niederösterreich bis zum Chefproducer.

Was ist dieser Nadler eigentlich, fragte ein bürgerlicher Stiftungsrat in der Wahlsitzung – und meinte: Welcher Partei ist er zuzuordnen? Eher keiner, jedenfalls nicht wahrnehmbar. ORF-Chef Alexander Wrabetz "wüsste nicht, wen Nadler wählt".

Nadler wirkt zurückhaltend, sehr kontrolliert, häufig mit einem Lächeln auf den Lippen. Menschen, die ihn schon länger beruflich kennen, wollen "noch keine Emotion" wahrgenommen haben, sie beschreiben ihn als Technokraten.

General Wrabetz sieht Nadler anders: Er kenne "viele Finanzer, aber keinen mit so einer Herzlichkeit – die er aber nicht vor sich herträgt". Sachlich, kompetent, beschreibt ihn sein langjähriger oberster Chef.

Ein Job wie maßgeschneidert

Nadler wurde 1970 in Wels geboren, ist verheiratet, hat zwei Kinder, studierte Jus in Wien bis zum Doktorat 2001. Vor dem ORF arbeitete er in Steuer- und Anwaltskanzleien in Wien und New York. Im ORF begann Nadler 1997 beim bürgerlichen Finanzdirektor Peter Radel. Sozialdemokrat Wrabetz behielt ihn als Büroleiter.

Nur rund ein Jahr hielt es ihn 2002 als operativer Geschäftsführer der ORF-Vermarktungstochter Enterprise. Ab 2003 leitete er die ORF-Finanzwirtschaft, zuständig für Buchhaltung und Bilanzierung, Personalverrechnung, das Beteiligungs- und Veranlagungsmanagement des Senders sowie das Controlling der ORF-Töchter.

ORF-Chef Alexander Wrabetz hat angekündigt, die Finanzdirektion nach Grasls Expansion wieder auf Controlling und Steuerung zurückzuführen. Wie maßgeschneidert für Nadler. Um die großen Konzernprojekte wie die Gebührenerhöhung muss sich Wrabetz kümmern. (Harald Fidler, 15.9.2016)

  • Emotionsloser Technokrat oder herzlicher Finanzer? Andreas Nadler wird ORF-Finanzdirektor.
    foto: apa/georg hochmuth

    Emotionsloser Technokrat oder herzlicher Finanzer? Andreas Nadler wird ORF-Finanzdirektor.

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