Gauermann trifft Rhythm ’n’ Blues

16. September 2016, 08:00
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Steffani Jemison und Justin Hicks bringen Sammlung der Neuen Galerie zum Singen

Graz – Der Erzberg von Herbert Boeckl in leuchtenden Farben, eine Landschaft bei Solnok von Tina Blau und der einst so beliebte niederösterreichische Maler Friedrich Gauermann, der in den Fifties des 19. Jahrhunderts die "Heimkehr im Gewitter am Attersee" malte: Solches kleines Kunstglück und mehr dergleichen ist in der Ausstellung Landschaftsmalerei von Waldmüller bis Thöny der Neuen Galerie Graz zu genießen.

In dieses Idyll tritt jetzt die New Yorker Künstlerin Steffani Jemison mit einem offenen und öffnenden Kunstbegriff, den sich etwa der Stimmungsrealist Emil Jakob Schindler (1842–92) gar nicht hätte vorstellen können. Da treffen ein ander zwei Welten, die sich in wirklich allem voneinander unterscheiden: die des alten kolonialistischen Europa, wie es etwa der Orientmaler Carl Leopold Müller (Karawane, 1876) eindringlich repräsentierte, und die der performativ-emanzipativen Kunstwelt der Gegenwart.

Die Letztere sucht nach neuen Zugängen zur Kunstgeschichte und nach diskursiven Verknüpfungen, die nicht aus den Ordnungssystemen der tradierten Kunstideologie generiert werden. Jemison zur Seite steht der Musiker Justin Hicks. Gemeinsam richten sich die beiden in der Landschaftenschau ein und füllen die stillen Räume in den beiden Aufführungen ihrer Performance Mi krokosmos mit wortgewandtem und musikalisch atmosphärischem Leben.

Das soll das Kunsterlebnis in der Dauerausstellung sozusagen auf wundersame Weise verändern, dem Ausstellen erweiterte Möglichkeiten zeigen, das Lesen der Bilder zum Singen bringen und den Farben von einst den Rhythmus jüngerer Zeiten verleihen. Jemison wundert sich, wie wenige Modelle uns zur Verfügung stehen, die Veränderungen beschreiben. Also widmet sie sich "anderen Arten, über Unterschied und Ähnlichkeit zu denken". Hier ist zu sehen, wie das geht. (Helmut Ploebst, Spezial, 16.9.2016)

"Mikrokosmos", Neue Galerie, 24. + 25. 9., jeweils 13.00 + 17.00


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