Auftragsmörder: Duterte erteilte persönlich Mordbefehle

15. September 2016, 16:31
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Ehemaliges Mitglied einer Todesschwadron sagt vor Senat aus – Präsident soll auch selbst gemordet haben

Manila – Ein ehemaliges Mitglied einer Todesschwadron erhebt schwere Vorwürfe gegen den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte. Dieser habe während seiner Amtszeit als Bürgermeister der südphilippinischen Stadt Davao persönlich Mordbefehle erteilt, sagte Edgar Matobato bei einer Anhörung vor dem Senat in Manila. In mindestens einem Fall habe Duterte selbst einen Mord begangen.

Der geständige Auftragsmörder erzählte den Senatoren im Rahmen einer parlamentarischen Untersuchung von Dutertes Feldzug gegen Kriminelle – er habe persönlich gehört, wie der damalige Bürgermeister Anweisungen zu außergerichtlichen Hinrichtungen gegeben habe.

"Umgebracht wie Hühner"

"Unser Job war es, Kriminelle zu töten: Drogendealer, Vergewaltiger, Straßenräuber", sagte der 57-Jährige, der nach eigenen Angaben als Mitglied einer "Davao-Todesschwadron" mehr als fünfzig Menschen ermordet hat.

"Sie wurden umgebracht wie Hühner", sagte Matobato bei der im Fernsehen übertragenen Anhörung. Dutertes ältester Sohn Paolo "Pulong" Zimmerman Duterte, der zurzeit das Vizebürgermeisteramt in Davao innehat, habe Drogenmissbrauch betrieben und 2014 den Mord an dem Hotelbesitzer und Geschäftsmann Richard King angeordnet. Dieser war im Juni 2014 in Davao erschossen worden.

2007 habe Rodrigo Duterte zudem persönlich einen Beamten der Nationalen Ermittlungsbehörde, einer Art Bundespolizei, erschossen.

Blutiger Krieg

Duterte hat mehrfach die Beteiligung an Milizen geleugnet. Bei einem öffentlichen Auftritt am Donnerstag äußerte er sich nicht zu der Senatsanhörung.

Bürgerrechtsgruppen haben seit den frühen Neunzigerjahren mehr als 1400 verdächtige Morde in Davao dokumentiert. Nachdem Duterte Ende Juni diesen Jahres das Präsidentenamt übernommen hatte, begann er einen blutigen Krieg gegen Drogenkriminalität, der dieselben Züge trägt.

47 Tote pro Tag

In den vergangenen zehn Wochen wurden mehr als 3500 Menschen getötet – 47 pro Tag. 58 Prozent davon wurden von unbekannten Angreifern getötet, der Rest bei Polizeioperationen.

Matobato sagte weiters, dass Duterte in den Neunzigerjahren einen Bombenanschlag auf eine Moschee in Davao angeordnet habe. Dies sei eine Vergeltung für einen Angriff auf eine Kathedrale gewesen. "Er hat uns befohlen, Muslime zu töten."

Justizminister Vitaliano Aguirre bezeichnete Matobatos Aussagen als "Lügen, Erfindungen und das Ergebnis einer fruchtbaren und beeinflussten Fantasie".

Leichen in Steinbruch und Meer entsorgt

Matobato berichtete, ein Mann sei an ein Krokodil verfüttert worden, die meisten Opfer seien zerstückelt und in einem Massengrab in einem Steinbruch vergraben worden. Andere Opfer habe man ins Meer geworfen, ihre Bäuche seien aufgeschlitzt worden, um zu verhindern, dass die Leichen an der Wasseroberfläche treiben würden.

Obwohl die Existenz der Davao-Todesschwadronen nie bewiesen wurde, ist die Bezeichnung auf den Philippinen geläufig und das Bild des gnadenlosen Verbrecherjägers Teil der Kampagne hinter dem kometenhaften Aufstieg Dutertes zum Präsidenten.

Über Matobato ist wenig bekannt. Er meldete sich freiwillig für die Aussage im Rahmen der Senatsuntersuchung, die von der ehemaligen Justizministerin Leila de Lima geleitet wird.

Warum de Lima als Justizministerin der von Duterte abgelösten Regierung keine Untersuchung gegen den Bürgermeister Davaos einleitete, als sich Matobato schutzsuchend an sie wandte, ist nicht bekannt.

Bauernopfer

Nach eigenen Angaben kämpfte Matobato früher gegen maoistische Rebellen. Die Entscheidung, über die Davao-Todesschwadronen auszupacken, traf er, nachdem er im Fall Richard King zum Bauernopfer gemacht werden sollte. Er sei selbst nicht an dem Mord beteiligt gewesen. Die zwei Täter hätten 500.00 philippinische Pesos erhalten und seien später getötet worden.

Matobato wandte sich an das Justizministerium und wurde in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Er verließ das Programm, bevor Duterte Präsident wurde, womit die Untersuchung der Davao-Todesschwadronen stockte, da er der einzige verfügbare Zeuge war. Bis zu seinem Auftritt vor dem Senat wurde sein Name nicht genannt.

Matobato sagte, nach Dutertes Wahlsieg habe er sich dazu entschieden, wiederaufzutauchen, da er um sein Leben fürchte. (red, Reuters, 15.9.2016)

  • Edgar Matobato gibt zu, mehr als fünfzig Auftragsmorde durchgeführt zu haben.
    foto: reuters/ezra acayan

    Edgar Matobato gibt zu, mehr als fünfzig Auftragsmorde durchgeführt zu haben.

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