Cernko kommt zum Rivalen, Erste-Österreich-Chef Uher geht

15. September 2016, 13:30
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Erste-Bank-Österreich-Chef Thomas Uher nimmt seinen Hut. Der Einzug von Ex-Bank-Austria-Boss Willibald Cernko in die Erste Group bedeutet ein kleines Wunder

Die Zeiten ändern sich. Der Exchef der Unicredit-Tochter Bank Austria, Willibald Cernko, wird ab 1. Jänner 2017 in den Vorstand der Erste Group einziehen – und dort den jetzigen Risikochef, Andreas Gottschling, ablösen. Ein ehemaliger Bank-Austria-Chef in der Vorstandsetage der Erste Group? Lange Jahre wäre das ein absolutes No-Go gewesen.

Aber der Reihe nach: Cernko wurde von den Italienern heuer im Jänner abgesägt, verließ die Bank Austria (BA) Ende Februar. Mit Andreas Treichl, der die Erste seit 19 Jahren führt, verstand sich Exbankenpräsident Cernko immer gut. "Wir haben in den letzten Jahren in vielen Themen gemeinsam gekämpft, dabei habe ich ihn schätzen gelernt", ließ Treichl am Donnerstag nach der entscheidenden Aufsichtsratssitzung wissen – womit man bei den veränderten Zeiten wäre. Denn: Erste samt Sparkassen und Bank Austria (BA) waren einander lange Jahre spinnefeind. Erzrivalen.

Kampf mit allen Mitteln

Erbittert kämpfte man um Marktanteile und Beteiligungen (die Erste wollte in einem Konsortium die Creditanstalt erwerben, Randa bekam sie). 2003 eskalierten die Revierkämpfe, die von Treichl und Bank-Austria-Boss Gerhard Randa mit Verve geführt wurden. Die Erste Bank (ab 1997 börsennotierte Erste Group) tat sich mit den Sparkassen zu einem Haftungsverbund zusammen, das ermöglichte es der Ersten, sich die Eigenmittel der Sparkassen anzurechnen.

Die BA klagte – ein jahrelanger Rechtsstreit folgte. Im Herbst 2006 hatte die Erste gewonnen: Das Kartellgericht genehmigte den Zusammenschluss von Erste und Sparkassen. Damals war Randa – er und Treichl waren einander nie so wirklich sympathisch geworden, um es nett auszudrücken – in der BA aber schon Geschichte, ihm war 2004 Erich Hampel gefolgt.

Hab'i die Ehre

Dass Randas Nachnachfolger dereinst in die Konkurrenzbank wechseln würde, hätte damals keiner gedacht. Dass die BA ihr Osteuropa-Netzwerk (CEE) an ihre Eigentümer abgeben muss (geschieht gerade), aber auch nicht. Cernko, der diese Verzwergung nicht stoppen konnte, sparte am Donnerstag nicht mit Freude. Es sei ihm "eine Ehre, seine Erfahrungen ... bei einem der erfolgreichsten Finanzdienstleister in CEE einbringen zu können", ließ er wissen.

Interne Spannungen

Der seit 2010 amtierende Chef der Erste Bank Österreich, Thomas Uher, schlägt die Gegenrichtung ein. Er nimmt den Hut, der Aufsichtsrat bestellte Erste-Group-Mann Stefan Dörfler zu seinem Nachfolger. Das Einvernehmen zwischen Uher und Treichl war zuletzt angespannt. Dass immer mehr Aufgaben von der Erste Österreich in die Holding gezogen wurden, habe Uher nicht goutiert, heißt es. Bei der "weiteren strategischen Ausrichtung waren wir nicht mehr ganz auf einer Linie", umschrieb das Treichl in seiner Aussendung.

Und, diesbezüglich ändern sich die Zeiten nicht: Der Erste bleibt der Erste. Treichl zu Uhers Rückzug: "Ein Zeichen seiner Managerqualität und menschlichen Stärke." (Renate Graber, 15.9.2016)

  • Erste-Österreich-Chef Thomas Uher geht, ein Erste-Holding-Manager beerbt ihn.
    foto: apa/pfarrhofer

    Erste-Österreich-Chef Thomas Uher geht, ein Erste-Holding-Manager beerbt ihn.

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