Mit Mahler, Lemm und Barkey klirrend dem Ende entgegen

16. September 2016, 08:00
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Kombination aus Tanz, Konzert und Installation

Graz – Für Gustav Mahler war 1907 ein Schicksalsjahr. Seine ältere Tochter Marie verstarb im Alter von erst vier Jahren an Diphterie, und beim Komponisten selbst wurde eine Herzkrankheit diagnostiziert, die 1911 schließlich zu seinem Tod führen sollte. Zudem sah er sich infolge teils antisemitischer Anfeindungen gezwungen, seine Position als Direktor der Wiener Hofoper aufzugeben und der Alten Welt den Rücken zu kehren.

In dieser an Schicksalsschlägen reichen Zeit komponierte er das stilistisch zwischen Liedzyklus und Symphonie stehende Lied von der Erde. Dessen letzter Teil, Der Abschied, dient als Grundlage für die neueste Produktion von Lemm&Barkey.

Lot Lemm und Grace Ellen Barkey sind Mitglieder der belgischen Needcompany, die von der Choreografin Barkey auch mitbegründet wurde. Unter dem Nom de Guerre Lemm&Barkey brachten sie unter anderem mit The Porcelain Project mit einem kleinen Ensemble Feinkeramik zum Tanzen. Mit Forever, das nun im Grazer Orpheum seine Uraufführung erlebt, holen sie erneut die Tassen aus dem Schrank, um die hoch aufgetürmten Scherben für eine Kombination aus Tanz, Konzert und Installation klirren zu lassen.

Die Verbindung von Mahlers Werk und dem von Lemm gefertigten Porzellan ist nicht nur insofern gegeben, als der Komponist für Das Lied von der Erde Lyrik aus China, dem Ursprungsland des Porzellans, vertonte.

Das zerbrechliche Material und die schwere Musik sollen zudem gleichermaßen die Fragilität wie auch die Wunderlichkeit der menschlichen Existenz zum Ausdruck bringen. Eine freudlose Performance ist indessen nicht zu erwarten, das Leben ist schließlich auch ein wilder Tanz. (wall, Spezial, 16.9.2016)

"Forever", Orpheum, 24. + 25. 9.


Spezial Steirischer Herbst ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Steirischen Herbst. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

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