Autsch, das tut weh: Warum Papierschnitte so schmerzen

19. September 2016, 05:30
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Es ist nur ein haarfeiner Schnitt, trotzdem plagt einen der Schmerz tagelang – der Grund dafür ist in erster Linie reine Nervensache

Ein unschuldiges weißes Blatt Papier. Sieht völlig harmlos aus, hat kaum Gewicht und kann trotzdem höllisch weh tun. Nicht nur als Abschiedsbrief der Verflossenen. Die Welt im DIN-A4-Format ist häufig banaler. Der Kopierer verlangt nach neuem Futter, eine Packung Papier wird aufgerissen, da ist es schon passiert: der Zeigefinger hat ein Blatt zu temperamentvoll gestreift, belohnt wird diese ungestüme Annäherung mit einer kleinen schmerzhaften Wunde.

Warum Papierschnitte häufig so weh tun, ist wissenschaftlich noch nicht systematisch untersucht. Die Dermatologin Hayley Goldbach von der University of California in Los Angeles hat dazu mehrere Hypothesen. Der kleine Schnitt in die Fingerkuppen ist deshalb so quälend, weil dort besonders viele empfindliche Nervenbahnen verlaufen. Der Grund: "Mit den Fingern entdecken wir die Welt. Deshalb ist es wichtig, dass dort sehr viele Nervenenden sitzen". Auch zu unserem eigenen Schutz, da so unser Greifwerkzeug etwa vor extremer Hitze, Kälte, Druckeinwirkung bewahrt wird, wie die Expertin erklärt.

Nicht tief genug

Die Beschaffenheit des Papiers dürfte ebenfalls einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der Pein haben. Mit bloßen Augen sieht der Papierrand glatt und scharfkantig aus. Das ist allerdings ein Trugschluss. Ein Blick unter dem Mikroskop zeigt die wahre Gestalt des Übeltäters: die Kanten sind zwar so scharf um die Haut zu ritzen, aber nicht glatt genug für einen sauberen Schnitt. Das Papier reißt vielmehr eine Wunde in die Haut, "eher vergleichbar mit einer Säge als mit einer Klinge", so Goldbach.

Ein weiteres Problem könnte paradoxerweise auch darin liegen, dass Papierschnitte üblicherweise nicht sehr tief sind. Allerdings tief genug, um die erste Hautschicht zu durchdringen. "Unter der Hautoberfläche ist die Konzentration an Schmerzrezeptoren am größten", sagt die Dermatologin.

Wunde wieder aufreißen

Was für zusätzliche Qualen sorgt: Papierschnitte gehen nicht so tief, dass sie richtig bluten. Dadurch kann der natürliche Schutzmechanismus wie die Blutgerinnung nicht wirksam werden. Kein schützender Schorf umschließt die Wunde.

Da die kleinen Schnitte nur langsam heilen, besteht außerdem die Gefahr, dass sie immer wieder aufgerissen werden. Eine falsche Bewegung des verletzten Fingers und die Wunde öffnet sich wieder. Das alles klingt schmerzhaft plausibel. (gueb, 19.9.2016)

  • Wenn Papier die Haut verletzt, ist es zwar keine tiefe Schnittwunde, dafür schmerzt sie umso mehr.
    foto: istockphoto

    Wenn Papier die Haut verletzt, ist es zwar keine tiefe Schnittwunde, dafür schmerzt sie umso mehr.

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