Der Hafen wächst, aber die Schifffahrt nicht

22. September 2016, 09:00
4 Postings

Der stagnierenden Güterschifffahrt auf der Donau will der Wiener Hafen mit einem europäischen Projekt entgegenwirken

Wien – Kaum ein Stein ist auf dem Gelände des Wiener Hafens in den vergangenen zehn Jahren auf dem anderen geblieben. Das zur Wiener Holding zählende Unternehmen ist nämlich seit 2006 zu einer Logistikdrehscheibe weiterentwickelt worden, insgesamt 180 Millionen Euro wurden in den Ausbau investiert.

So kommt es, dass das Be- und Entladen von Güterschiffen derzeit nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Nur noch zehn Prozent des Warenumschlags entfallen auf die Wasserstraße, die Hälfte aller Güter wird per Lkw befördert, der Rest rollt über Schienen. Alle Geschäftsbereiche des Hafens wachsen, nur die Güterschifffahrt auf der Donau stagniert.

Preiswerte Alternative

Ein Umstand, den der kaufmännische Geschäftsführer Friedrich Lehr bedauert, schließlich werde das Potenzial damit nur zu einem Bruchteil genutzt. "Die Donau böte sich an als preiswerter Verkehrsweg, der günstig zu warten wäre." Allein, der politische Wille zu einer stärkeren Nutzung der Wasserstraße ist nicht in allen Anrainerstaaten so stark ausgeprägt wie in Österreich.

Hauptproblem ist der ungleichmäßige Tiefgang, der die Donau nicht immer und überall schiffbar macht. Eigentlich wären alle Anrainerstaaten zu regelmäßigem Ausbaggern verpflichtet, jedoch Ungarn und Bulgarien würden dies nicht im erforderlichen Maß umsetzen – was die Nutzung der Verkehrsader stark limitiert. Wobei die Trockenheit im heißen Jahr 2015 im Gegensatz zu heuer für zusätzliche Engpässe sorgte.

"Die Donau würde ohne große Probleme um den Faktor neun oder zehn mal mehr Verkehr vertragen", ist Lehr überzeugt. Der Idee, die Instandhaltung und den Ausbau von den Ländern auf eine übernationale Organisation zu übertragen, gewissermaßen eine Asfinag für die Donau, kann der Geschäftsführer einiges abgewinnen: "Das wäre sicherlich eine gute Lösung. Volkswirtschaftlich betrachtet sollte das ein europäisches Projekt sein", sagt Lehr. "Man läuft auch bei der Politik offene Türen ein, weil es eine Logik dahinter gibt. Aber es fehlt noch an der nötigen Priorisierung."

Industrie unterstützt

Eine stärkere Nutzung wäre seiner Ansicht nach nicht nur positiv für die Wirtschaft – dementsprechend ortet Lehr auch Unterstützung seitens der Industrie, etwa der Voest -, sondern auch für die Umwelt wegen eines geringeren CO2-Ausstoßes: Ein Schubverband entspreche nämlich rund 170 Lkw-Ladungen, gibt der Hafenchef zu bedenken.

Hinsichtlich der Renaturierung der Donauufer meint Lehr: "Es gibt Widersprüche, aber die sind gut lösbar, wie der Bereich zwischen Freudenau und Hainburg zeigt." Zudem sieht er auch gemeinsame Interessenslagen: Etwa ist es laut Lehr auch nicht im Interesse der Schifffahrt, dass sich die Donau tiefer gräbt und dadurch dem Nationalpark Wasser abzieht.

Gut geeignet ist die Donau für Schwertransporte, die auf der Straße nur nachts und unter strengen Auflagen erfolgen dürfen, sowie für Schüttgut. Containertransporte eignen sich weniger, diese kommen hauptsächlich aus der Hafenstadt Hamburg über die Schiene und verlassen den Wiener Hafen per Lkw. Als ökonomisch sinnvolle Mindestdistanz für Transporte über den Wasserweg nennt Lehr 500 bis 600 Kilometer: "Darunter zahlt es sich nicht aus, ein Schiff zu beladen."

Abseits der Güterschifffahrt, die über die Frachthäfen Freudenau, Albern und Lobau abgewickelt wird, verzeichnet das Unternehmen, das im Vorjahr mit rund 300 Mitarbeitern 52,7 Millionen umsetzte bei einem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von zehn Millionen Euro, durchaus Wachstum. Die Lagerung sei gut ausgelastet, sagt Lehr, auch das Immobiliengeschäft laufe gut. Rund 120 Unternehmen, ein Viertel davon Speditionen, haben sich auf dem Gelände des Wiener Hafens angesiedelt, insgesamt arbeiten dort 5000 Menschen. "Ein wesentlicher Faktor ist, dass sich alles ergänzt", fügt er hinzu.

Die rund drei Millionen Quadratmeter Fläche, die dem Wiener Hafen derzeit insgesamt zur Verfügung stehen, sind mittlerweile ein limitierender Faktor für zukünftiges Wachstum. An zusätzlichen Grund zu kommen sei allerdings sehr schwer, räumt Lehr ein, schließlich habe der Wohnbau in Wien Priorität. (Alexander Hahn, 22.9.2016)

  • Dem Wiener Hafen geht schön langsam der Platz aus. An zusätzliche Flächen zu kommen, ist allerdings sehr schwer.
    foto: lbs redl

    Dem Wiener Hafen geht schön langsam der Platz aus. An zusätzliche Flächen zu kommen, ist allerdings sehr schwer.

Share if you care.