Ganze Frachträume zu vermieten

20. September 2016, 09:00
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In Passagierflugzeugen fliegen auch Container im Frachtraum mit. Der Flughafen Wien bietet ein Full-Service-Paket an

Die Lufthansa Cargo als Teil der Lufthansa-Gruppe nimmt in Österreich von Wien, Linz, Graz, Salzburg und Innsbruck Frachtgut auf und transportiert es an den Bestimmungsort. Seit 2010 verwaltet die Lufthansa Cargo auch die Frachtkapazitäten von Austrian Airlines. Konkret beauftragt der Kunde eine Spedition, und diese führt die Ware zum Flughafen.

Nachdem an den österreichischen Flughäfen keine Lufthansa-Cargo-Flugzeuge landen, wird die Fracht je nach Größe entweder auf ein Passagierflugzeug oder einen Lkw umgeladen. Ist also ein Frachtstück größer als der Frachtraum eines verfügbaren Passagierflugzeugs, wird die Fracht mittels Lkw nach Frankfurt gebracht und dort in spezielle Frachtmaschinen der Lufthansa Cargo verladen.

Asien und Nordamerika

Hasso Schmidt, Direktor bei Lufthansa Cargo in Wien, sagte zum der STANDARD, dass die meisten Güter ab Österreich nach Asien und Nordamerika gehen, etwa New York, Chicago, Schanghai, Hongkong oder Tokio. Der Abtausch der AUA-Flüge von Delhi in Richtung Schanghai sei aus Sicht der Fracht ein guter Tausch gewesen, so Schmidt.

Interessant in diesem Zusammenhang: Der Großraumflieger Airbus A380 habe relativ wenig Frachtraum, während in der Boeing 777 wesentlich mehr Platz sei. Ein reiner Frachtflieger (die Lufthansa hat vierzehn Stück davon) könne ein Volumen von 100 Tonnen aufnehmen, ein AUA-Großraumflieger komme auf rund 20 Tonnen. Das sei allerdings abhängig von der Entfernung.

Die wesentlichsten Transportgüter seien Produkte für die Automotiv- und Pharmaindustrie. Pharmaprodukte müssen allerdings bei kontrollierten Temperaturen gelagert und transportiert werden. Es handle sich meistens um hochwertige oder sehr dringende Güter, so Schmidt. Wenn etwa Ersatzteile sofort gebraucht werden, weil andernfalls die Produktion stillstehen würde, sei die Luftfracht "alternativlos".

Spezielle Charterflüge für Banknoten

Als vor 2010 in Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach, kam wegen der Luftraumsperre auch die Lieferung zum Erliegen. Zeitgerechte Lieferungen waren nicht mehr möglich.

Aus Österreich werden unter anderem spezielle Steine von RHI für den Hochofenausbau versendet. Swarovski zählt ebenso zu den Cargo-Kunden wie der Schönbrunner Tiergarten. 2012 wurde ein Pandabär von Wien nach China verschickt, oder es wurden Papageien transportiert, die in der Freiheit ausgelassen wurden. Solch spezielle Transporte sind möglich, weil alle Frachträume beheiz- oder kühlbar sind. Auch Blumen aus Kenia wurden schon transportiert.

Wolfgang Fasching, Chef des Abfertigungsdienstes am Wiener Flughafen mit über 2000 Mitarbeitern, sagte zum STANDARD, "dass immer wieder spezielle Charterflüge für Banknoten ab Wien abfliegen. Das sind sogenannte Geld-Charter, weil die Österreichische Nationalbank etliche Banknoten für andere Länder produziert." Wobei: Die Pandas waren schon ein Highlight für die Flughafen-Mitarbeiter schildert Fasching: "Da war schon ein Griss darum, wer die Pandas entladen darf."

Digitale Buchung

Einige Güter wie Pharmazeutika unterliegen Lagevorschriften. Chemikalien dürfen unter Umständen nicht mit Lebensmitteln verladen werden. Die Lufthansa hat insgesamt zwölf globale Speditionspartner, darunter DHL, Schenker oder Kühne & Nagl. Aber auch österreichische Spediteure gehören zu den bevorzugten Partnern, darunter Cargo Partner, Gebrüder Weiss oder Cargomind. Die Spediteure machen für die Kunden die Verpackung und besorgen Zoll und Ausfuhrgenehmigungen.

60 Prozent der Reservierungen erfolgen bereits digital, bei den Frachtpapieren liegt der Satz bei immerhin 30 Prozent. Genauso wie die Passagiere muss auch die Fracht in Hinsicht auf Platz und Volumen gebucht werden.

"In Österreich stagnierte das Frachtvolumen im Vorjahr und war sogar leicht rückläufig", sagt Schmidt. Weltweit wächst das Angebot an Frachtkapazität stärker als die Nachfrage, was zu Preisdruck führe. Zu den aufstrebenden Cargo-Airlines zählen Turkish Airlines und die Golf-Airlines, allen voran Emirates.

Die Fluglinie Air France, eine der bisher führenden europäischen Frachtflieger, stellte hingegen viele Flugzeuge außer Dienst, weil die Standortkosten an den europäischen Drehkreuzen höher sind als am Golf.

Interessantes Detail: Die Low-Cost-Airlines wie Easyjet oder Ryanair nehmen überhaupt keine Fracht (bis auf Koffer, selbstverständlich) mit. So dauert beispielsweise die Be- und Entladung des Großraumfliegers A380 von Emirates an die zwei Stunden, bei Easyjet sind es gerade einmal 30 Minuten. Ein gehöriger Zeitunterschied.

Laut Fasching haben die Golf-Airlines riesige Kapazitäten, was zu einem unglaublichen Preiswettbewerb führe. Der Trend, so Fasching, gehe dahin, dass Güter, die traditionell mit dem Flieger transportiert wurden und nicht Just-in-time-Lieferungen sein müssen, auf das Schiff verlagert werden. Ein Schiffstransport koste einen Bruchteil eines Transports per Flugzeug.

Per Schiff zur Fußball-EM

So wurde heuer im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft ein Großteil von Elektronik, wie Fernseher und Handys, bereits im Frühjahr mittels Schiff nach Europa transportiert. Beflügelt wurde der Trend Richtung Schiff mit dem Wachstumsrückgang ab 2015 in China, da ging vieles auf Schiffe. Der Transport dauert zwar länger, auf der anderen Seite wurde aber der Treibstoff billiger.

Laut Flughafenmanager Fasching habe sich heuer bisher der Import im Cargo-Geschäft gut entwickelt, der Export dagegen weniger. "Wenn im August und September die Zahlen nach unten gehen, wissen wir, dass die Europameisterschaft ein Ausreißer war. Wenn wir eine Grundstabilität bekommen, müsste es aufwärtsgehen." Als reine Frachtflieger steuern Korean, Asiana, China Southern und Silkway Wien an.

Der Flughafen Wien ist neben Frankfurt und München einer der wenigen Airports in Europa, der ein Full-Service-Konzept anbietet. Zum sogenannten Ground-Handling gehören die Frachtabfertigung, die Passagierabfertigung, der Check-in und die Reinigung.

Im Ausland gibt es freilich Speditionen, die eigene Frachtflieger haben. DHL, FedEx, UPS, TNT sind die großen, die eigene Flotten betreiben. So hat DHL/dt. Post in Leipzig 60 Cargo-Flieger stehen, die in der Nacht die Verteilung der Güter organisieren.

In Köln macht UPS Ähnliches. Der Vorteil: Beide Airports haben kein Nachtflugverbot. (Claudia Ruff, 20.9.2016)

  • In Cargo-Flugzeugen wird der gesamte Frachtraum mit Containern beladen. Rund 100 Tonnen Fracht kann ein solcher Flieger aufnehmen. Je nach Art der Beladung kann der Frachtraum beheizt oder gekühlt werden.
    foto: reuters / ralph orlowski

    In Cargo-Flugzeugen wird der gesamte Frachtraum mit Containern beladen. Rund 100 Tonnen Fracht kann ein solcher Flieger aufnehmen. Je nach Art der Beladung kann der Frachtraum beheizt oder gekühlt werden.

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