Öffentlicher Pornokonsum: New Yorker WLAN-Telefonzellen werden zum Problem

18. September 2016, 08:54
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Beschwerden von Anrainern und Geschäftsbesitzern – Browser soll nun eingeschränkt werden

Das Zeitalter der klassischen Telefonzelle, in der man per Münzeinwurf oder Wertkarte Anrufe tätigt, ist vorbei. Denn fast jeder besitzt ein Mobiltelefon. Jedoch ist der Bedarf an anderen Angeboten gestiegen: Mobiles Internet, Kartendienste und andere Online-Dienste sind nachgefragt.

Um diesen Erfordernissen besser gerecht zu werden und gleichzeitig die "digitale Kluft" innerhalb der Bevölkerung zu schmälern, hat New York City in großem Stil begonnen, einstige Telefonzellen zu Multimedia-Terminals mit USB-Ladeanschlüssen, Bildschirm, Telefonie und öffentlichem WLAN-Hotspot umzurüsten.

Pornos am Gehsteig

Sieben Monate nach dem Start des "LinkNYC"-Projekts sieht man sich nun allerdings gezwungen, die Funktionsvielfalt der Kommunikations-Terminals aufgrund unerwarteter kollateraler Folgen zu reduzieren, berichtet die New York Times.

So soll es regelmäßig vorkommen, dass die Stationen stundenlang von einzelnen Leuten als eine Art zweites Wohnzimmer Beschlag genommen werden. Oft sollen sich Nutzer auch betrinken oder Drogen konsumieren, während sie dort auf mitgebrachten Möbeln sitzen und laut Musik hören oder Online-Videos schauen. Teilweise sollen Gruppen sogar komplette Sofas mitgebracht haben. Auch wird von für alle Passanten in der Nähe sicht- und hörbaren Pornokonsum am Gehsteig berichtet.

Beschwerden

Ursprünglich war das Projekt von Anrainern und Geschäftstreibenden begrüßt worden, da die alten Telefonzellen zunehmend von Obdachlosen und Drogendealern in Beschlag genommen worden waren. Die Dealer gehörten zu den letzten aktiven Nutzern und verwendeten die Boxen als eine Art Büro, ehe die Stadtverwaltung die Zellen für einkommende Anrufe sperrte.

Nun häufen sich aber auch die Beschwerden über die Nachfolgelösung. Die Polizei hat mancherorts bereits eine Entfernung der Web-Kioske gefordert.

Browser wird deaktiviert

Ein Abbau ist derzeit allerdings nicht geplant. In einem ersten Schritt versuchen die Verantwortlichen von LinkNYC nun die Attraktivität der "Telefonzelle 2.0" als Heimkino-Ersatz zu senken. Sie haben aus diesem Grund damit begonnen auf den Terminals den Browser zu deaktivieren, sodass etwa Videoplattformen wie Youtube nicht mehr aufgerufen werden können.

Gleichzeitig denkt man über die Integration weiterer Funktionen nach. Der Browser soll in Zukunft wieder verfügbar werden, allerdings in eingeschränkter Form.

Ausbau läuft weiter

Auf den weiteren Ausbau von LinkNYC haben diese Probleme keine Auswirkung, dieser soll wie geplant weiterlaufen. Bisher wurden 400 "Telefonzellen 2.0" in den Stadtteilen Queens, Manhattan und in der Bronx aufgestellt. Insgesamt sollen in ganz New York City rund 7.500 Münztelefone ersetzt werden. (gpi, 18.09.2016)

  • Sieben Monate nach dem Start von LinkNYC wird nun vorläufig der Browser der "Telefonzelle 2.0" deaktiviert.
    foto: apa/afp/timothy a. clary

    Sieben Monate nach dem Start von LinkNYC wird nun vorläufig der Browser der "Telefonzelle 2.0" deaktiviert.

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