Nach Flaute startet Magna wieder durch

15. September 2016, 18:01
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Der neue BWM-Auftrag für Magna Steyr ist fix. Im steirischen Autocluster wird aufgeatmet, trotz der Bedenken wegen des Brexits

Graz – Mit dem nun bestätigten BMW-Auftrag über die Fertigung der neuen 5er-Linie geht für Magna Steyr eine längere Talfahrt zu Ende. Der kanadische Autozulieferer Magna international hatte 2015 – und auch noch im ersten Halbjahr 2016 – in seinem Grazer Werk sinkende Umsatzzahlen in den Büchern notieren müssen. Beim Grazer Fahrzeugbau ging die Produktion 2015 um 23 Prozent auf 103.904 Stück zurück.

Das lag in erster Linie an den auslaufenden Produktionen des Mini Countryman und Paceman. Auch die im dritten Quartal 2015 beendete Peugeot-RCZ-Fertigung hatte sich empfindlich auf die Zahlen ausgewirkt.

Mit dem neuen BMW-Produktionsauftrag, der Anfang 2017 anlaufen soll, schwenkt Magna wieder in Richtung Vollauslastung des Grazer Werkes. Mittelfristig sollen durch den neuen BMW-Auftrag und einige weitere größere geplante Fertigungen, die noch in der Pipeline stehen, mittelfristig 3000 neue Arbeitnehmer aufgenommen werden. Zuletzt war auch eine Kooperation mit Toyota im Gerede.

Nach den Befürchtungen im Grazer Autocluster über mögliche Auswirkungen des Brexit und des VW-Skandals auf die Grazer Zulieferindustrie bedeutet der Auftrag von BMW für Magna natürlich eine gewisse Entspannung. Magna stellt im Gesamtcluster ein Fünftel der Beschäftigten und fungiert als 12,5 Prozent Teilhaber des steirischen Autoclusters.

BMW nach sechsjähriger Pause zurück

2017 werden jedenfalls nach sechsjähriger Unterbrechung im Magnawerk wieder BMW-Modelle vom Band laufen. Graz werde neben Dingolfing der zweite Standort für die Produktion sein, sagte BMW-Produktionsvorstand Oliver Zipse in der steirischen Kleinen Zeitung. Der Vertrag mit Magna zum Bau der 5er-Limousine laufe den gesamten Zyklus. BMW hoffe durch die Auslagerung der Fertigung an Magna Steyr auf "hohe Flexibilität". "Ich bin mir sicher, dass der neue 5er ein großer Erfolg wird und Magna hohe Volumen fertigen wird", sagte Zipse. Im BMW-Werk in Niederbayern würden jährlich rund 350.000 Fahrzeuge hergestellt, aber die erwarteten Stückzahlen könne der Standort nicht mehr allein stemmen. BMW sehe "Magna Steyr definitiv langfristig als einen strategischen Partner".

Die steigende Auftragslage bei Magna Steyr wirkt sich natürlich eins zu eins auf die im steirischen Autocluster beheimatete Zulieferindustrie aus. "Ein Auftrag dieser Größenordnung hat natürlich Folgewirkungen auf die Zulieferer. Auch da wird sich in absehbarere Zeit einiges zu tun", sagt der Geschäftsführer des steirischen Autoclusters ACstyria, Wolfgang Vlasaty, im Gespräch mit dem Standard. Es werde definitiv auch hier zu einem hohen Bedarf an neuen Arbeitskräften kommen. Man könne jedenfalls davon ausgehen, dass Magna Steyr mittelfristig wieder eine Vollauslastung des Werkes mit rund 200.000 produzierten Fahrzeugen erreichen werde.

Magna International ist in 29 Ländern präsent und beschäftigt mehr als 147.000 Personen. Der Autozulieferkonzern hat 2015 beim Umsatz einen Rückgang verbucht. Die Erlöse im Gesamtjahr sanken von 34,40 auf 32,13 Mrd. Dollar (28,6 Mrd. Euro). (Walter Müller, 15.9.2016)

  • BMW wird die neu konzipierte 5er-Limousine im bayrischen Werk in Dingolfing und nun auch bei Magna Steyr in Graz produzieren lassen.
    foto: reuters / zmeyev

    BMW wird die neu konzipierte 5er-Limousine im bayrischen Werk in Dingolfing und nun auch bei Magna Steyr in Graz produzieren lassen.

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