75.000 Flüchtlinge sitzen an syrisch-jordanischer Grenze fest

15. September 2016, 06:09
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Es mangele an Nahrung, Wasser und Medizin, kritisiert Amnesty International, viele Menschen seien gestorben

London – Rund 75.000 Flüchtlinge sind nach Angaben von Amnesty International (AI) seit Wochen unter menschenunwürdigen Bedingungen an der syrisch-jordanischen Grenze gestrandet. Die Menschen im Niemandsland seien seit zwei Monate von humanitärer Hilfe praktisch abgeschnitten. Es mangele an Nahrung, Wasser und Medizin, viele Menschen seien gestorben.

Filmaufnahmen zeigten, dass es in der Region um die seit Ende Juni geschlossenen Grenzstationen Rukban und Hadalat Massengräber gebe, berichtete die Menschenrechtsorganisation am Donnerstag. Die Situation sei eine tragische Folge des Versagens der internationalen Gemeinschaft in der Flüchtlingskrise, klagt Amnesty.

Mit Blick auf UN-Gipfeltreffen nächste Woche in New York rief Amnesty die politischen Führer auf, mehr als nur Rhetorik zu liefern. Jordanien dürfe die Grenze nicht länger blockieren und solle die Gestrandeten ins Land lassen. Andere Staaten müssten ihren "fairen Anteil an Flüchtlingen" aufnehmen.

Hunderttausende in Libyen

In Libyen warten indes 235.000 Migranten auf die Gelegenheit zur Überfahrt über das Mittelmeer in Richtung Italien, erklärte Martin Kobler, der deutsche UNO-Sonderbeauftragte für Libyen, in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "La Stampa" am Donnerstag.

Terrorismus und Flüchtlingsströme seien Symptome derselben Krankheit, dem Mangel an einer staatlichen Behörde in Libyen. "Wir müssen arbeiten, damit Legalität in Libyen garantiert ist. Menschenhandel ist ein Verbrechen und muss als solches bekämpft werden. Dafür sind Polizei und ein Heer zur Bekämpfung von Terroristen und Schleppern notwendig", sagte Kobler.

Zugleich müsse man laut Kobler die Ursachen der Flüchtlingswelle -Terrorismus und Armut – bekämpfen. "Der Kampf muss vor allem in den Herkunftsländern der Migranten geführt werden. Nur so kann man den Notstand in Libyen bewältigen", meinte der UNO-Sondergesandte. (APA/dpa, 15.9.2016)

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