Ex-US-Außenminister Powell bezeichnet Trump als "nationale Schande"

14. September 2016, 23:17
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Nach Hackerangriff veröffentlichte Mails des Republikaners zeigen auch Kritik an Clinton – Demokratin veröffentlicht nach Lungenentzündung medizinische Informationen

Washington – Der ehemalige US-Außenminister Colin Powell ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. E-Mails des Republikaners, die am Mittwoch öffentlich wurden, offenbaren seine vernichtende Kritik an den beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton. Powell bezeichnet Trump darin als "nationale Schande". Er spreche die schlimmsten Seiten der Republikaner und der weißen Mittelschicht an.

Clinton kritisiert er für ihren Umgang mit der E-Mail-Affäre. "Alles, was (Clinton) angreift, macht sie mit ihrer Überheblichkeit kaputt", so Powell. Sie habe es verabsäumt, die Vorwürfe rechtzeitig auszuräumen. Die Demokratin hatte in ihrer Zeit als Außenministerin vorschriftswidrig einen privaten E-Mail-Server für ihre Kommunikation benutzt. Powell nutzte in seiner eigenen Amtszeit (2001–2005) einen privaten Account. In den gehackten E-Mails pocht er darauf, dass das etwas anderes gewesen sei. Er habe Clintons Team davor gewarnt, ihn in die Affäre hineinzuziehen, heißt es an anderer Stelle.

Powell bestätigte dem TV-Sender NBC News die Echtheit der Dokumente. Die Hacker seien im Besitz vieler weiterer E-Mails, sagte er. Die Enthüllungsseite dcleaks.com hatte den Schriftverkehr online gestellt. Die Dokumente waren passwortgeschützt, mehrere US-Medien veröffentlichten Auszüge daraus.

Hackerangriff auf Demokraten

Auch die Demokratische Partei wurde am Mittwoch offenbar Opfer eines Hackerangriffs. Zu den internen Interna, die veröffentlicht wurden, gehört laut Medienberichten auch die Handynummer von Tim Kaine, Vizepräsidentschaftskandidat von Hillary Clinton. Es handelte sich demnach um Kontaktlisten, die zuletzt im Jahr 2010 bearbeitet wurden und deren Echtheit zunächst nicht bestätigt wurde.

Eigentlich wollten die US-Demokraten mit der positiven Nachricht aufwarten, dass Clinton ihre Lungenentzündung so weit auskuriert habe, dass sie am Donnerstag wieder in den Wahlkampf einsteigen kann. Am Mittwoch veröffentliche Clinton Informationen zu ihrem Gesundheitszustand, wonach sie gesund und fit für das Präsidentenamt sei. Ihr Zustand "verbessert sich kontinuierlich", hieß es in einer Stellungnahme ihrer Ärztin. Bei Clinton wurde demnach eine nicht ansteckende, bakterielle Form einer Lungenentzündung diagnostiziert.

Am Donnerstag sind bereits wieder Wahlkampfauftritte Clintons geplant, unter anderem in Washington und in Greensboro im Bundesstaat North Carolina. Der Gesundheitszustand der 68-Jährigen war vor allem nach ihrem Schwächeanfall bei der New Yorker Gedenkveranstaltung für die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 zum Wahlkampfthema geworden. Kurz danach teilte ihre Ärztin mit, bei Clinton sei bereits zwei Tage davor eine Lungenentzündung festgestellt worden. Ihr Team hatte zunächst von einer "Überhitzung" der Politikerin gesprochen. Clinton sah sich deswegen Vorwürfen ausgesetzt, sie habe nicht transparent genug gehandelt.

Ermittlungen gegen Trump

Aber auch für ihren Konkurrenten Trump läuft nicht alles rund: Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman nimmt die gemeinnützige Stiftung des Republikaners ins Visier. Bei Ermittlungen solle nun geprüft werden, ob die Stiftung sich an die Gesetze für Wohltätigkeitsorganisationen halte. Schneiderman, ein Parteifreund Clintons, vermutet Fehlverhalten und Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsgebarung. Thematisch versucht Trump mit einem neuen Vorschlag zu punkten: Er will einen sechswöchigen bezahlten Mutterschutz einführen. (AFP, Reuters, red, 14.9.2016)

  • Der ehemalige Außenminister Colin Powell findet in den E-Mails, die nach einem Hackerangriff veröffentlicht wurden, weder für Hillary Clinton noch für Donald Trump lobende Worte.
    foto: apa/afp/jim watson

    Der ehemalige Außenminister Colin Powell findet in den E-Mails, die nach einem Hackerangriff veröffentlicht wurden, weder für Hillary Clinton noch für Donald Trump lobende Worte.

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