A1-Spaltungsplan entzweit Telekom-Aktionäre

14. September 2016, 19:19
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Die A1 Telekom Austria soll "österreichischer" gemacht werden. Der Betriebsrat sieht das positiv. "Ausgeschlossen", sagt Hauptaktionär América Móvil

Wien – "Reden kann man immer", sagt der Aufsichtsratschef der Telekom Austria (TA), Wolfgang Ruttenstorfer. Entscheiden müssten aber die Eigentümer. Und diesbezüglich sei er der falsche Ansprechpartner, weil kein Organ der staatlichen Beteiligungsgesellschaft Öbib, der die Verwaltung des 28,4-prozentigen Staatsanteils obliegt. Eine Hoffnung äußert Ruttenstorfer im Gespräch mit dem STANDARD allerdings schon: "Dass die Angelegenheit jetzt diskutiert wird."

"Die Angelegenheit" ist delikat: Getrieben von der Angst vor der nächsten Kapitalerhöhung, bei der die Republik Österreich Millionen an Steuergeld investieren müsste, um nicht unter die Sperrminorität zu rutschen, tüfteln politische Entscheidungsträger und Interessenvertreter über Alternativen. Die Erhaltung von Macht und Einfluss beim ehemaligen Telefonmonopolisten, der zu 51 Prozent im Eigentum von América Móvil (Amov) steht, hat nachvollziehbare Gründe: die Vermeidung politischer Querelen, denn die rote Reichshälfte drängt seit Jahr und Tag auf Erhaltung des Staates als Kernaktionär.

TA-Holding würde aufgelöst

Entsprechend positiv reagiert TA-Betriebsratschef Walter Hotz am Mittwoch auf die vom STANDARD enthüllte Variante, über die in österreichischen Eigentümerkreisen gegrübelt wird, wie dem Großaktionär aus Mexiko ein Aktientausch schmackhaft gemacht werden könnte: Das Österreich-Geschäft A1 würde demnach als eigene Gesellschaft abgespalten, die zur Hälfte Öbib und Amov gehöre und an der Börse notiere. Das Ostgeschäft würde Amov zugeschlagen und die börsennotierte TA-Holding aufgelöst.

"Das ist eine langjährige Forderung der Belegschaft und der Gewerkschaft, dass die Telekom in österreichischer Hand bleibt. Wir würden so eine Entwicklung begrüßen", sagt Hotz. "Dafür ist es zu spät", hält ein Kapitalvertreter im TA-Aufsichtsrat dagegen. Das hätte man vor drei Jahren, also vor dem Verkauf an die Mexikaner, tun müssen. "Jetzt wird in Mexiko entschieden."

"Macht betriebswirtschaftlich keinerlei Sinn"

Ungewöhnlich klar reagiert Amov-Finanzvorstand Carlos Moreno in seiner Funktion als TA-Vizepräsident: "Das macht betriebswirtschaftlich keinerlei Sinn." Auf Ebene der Eigentümer werde darüber auch nicht gesprochen, versichert Moreno im STANDARD-Gespräch. Im Übrigen beteilige man sich nicht an Spekulationen, sondern diskutiere nur über Fakten. Auch ein Börsenrückzug sei aktuell kein Thema. América Móvil habe die Entscheidung, dass die Telekom-Austria-Aktie an der Wiener Börse gelistet bleibt, akzeptiert. (ung, 15.9.2016)

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