Steirischer Autocluster fürchtet sich vor Brexit

15. September 2016, 08:30
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Nach Brexit und VW-Skandal steigen die Sorgen, dass auch heimische Zulieferer getroffen werden. Der Preisdruck steigt

Graz – Die engen Verflechtungen des steirischen Autoclusters AC Styria mit der Autoindustrie in Deutschland und England machen den Cluster-Managern zunehmend Kopfzerbrechen. Die wirtschaftlichen Beben nach dem VW-Abgasskandal und dem britischen EU-Austrittsvotum könnten in absehbarer Zeit auch den steirischen Autocluster erreichen, wie im Bundesland befürchtet wird.

"Wir verfolgen die Entwicklungen in Deutschland und England mit sehr großer Aufmerksamkeit. Im Moment sehen wir zum Glück aber noch keine direkten Auswirkungen auf die Auftragslage", sagt der Cluster-Manager in der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Steiermark (SFG), Gerd Holzschlag, zum STANDARD.

Erste Anzeichen seien aber bereits zu registrieren: Die steirischen Zulieferer geraten von VW unter noch stärkeren Kostendruck. "Sie werden sozusagen aufgefordert, auch ihren Beitrag zu leisten", sagt Holzschlag. "Das Sparpaket bei VW bekommen natürlich die Zulieferer zu spüren", ergänzt AC-Styria-Geschäftsführer Wolfgang Vlasaty.

Offene Fragen

Heikel sei auch die Entwicklung in Großbritannien nach dem Brexit. "Das wird im Cluster zurzeit natürlich entsprechend sensibel diskutiert", sagt Holzschlag.

"Das Bedrohungsszenario ist, dass wir aufgrund des niedrigen Pfunds weniger Autos nach Großbritannien verkaufen können. Aber das wird man erst nach Abschluss der Brexit-Verhandlungen sehen", sagt Vlasaty. England ist vor allem ein Thema für Magna und den Motoren- und Antriebsspezialisten AVL mit deren zahlreichen Kundenkontakten auf der Insel.

Suche nach Alternativen

England ist ein traditionell guter Markt für die steirischen Autozulieferer. Zudem sitzen in England und Wales etliche asiatische Hersteller wie Honda und Nissan, die ebenfalls mit den Steirern kooperieren. "Es ist noch kein Grund für übergroße Nervosität, aber wir schauen natürlich auch da genau hin. Noch ist ja nicht klar, wie sich das alles entwickelt", sagt Cluster-Manager Holzschlag.

Die Krise in derart dominierenden Konzernen wie VW habe natürlich auch die Suche nach Alternativen erzwungen, "und hier sind wir dabei, uns mit einer umfassenden Kompetenz für alle neuen Antriebstechnologien – vom Verbrennungsmotor über die E-Varianten bis zu den Hybridkonzepten – strategisch zu positionieren", sagt Holzschlag.

Forschung als wichtiges Standbein

Der steirische Cluster verfüge – was vor allem für Krisenzeiten von eminenter Bedeutung sei – jedenfalls über solide Grundfesten in der automotiven Forschung und Entwicklung, sagt Holzschlag. Mit Samsung sei im Cluster zudem ein Batteriehersteller engagiert, an der TU Graz laufen seit langem Forschungsprojekte in der Batterietechnologie. Die Montanuniversität Leoben steuere Entwicklungen bei den neuen Leichtbaustoffen für die Karosserien bei.

Aktuell zählt der AC Styria rund 250 Partnerbetriebe mit mehr als 50.000 Mitarbeitern. Jahresumsatz: 15 Milliarden Euro. Getragen wird der Cluster von seinen sieben führenden Gesellschaftern AVL List, Cross Industries, Krenhof Schmiedetechnik, Magna Steyr, SFG, TCM International und Voestalpine. Der AC Styria vernetzt mittlerweile auch zwei neue Clusterfelder: "Aerospace" und "Rail Systems" (Bahnsystemtechnik). (Walter Müller, 15.9.2016)

  • Die Cluster-Unternehmen wollen sich in der Entwicklung neuer Antriebssysteme und leichterer Werkstoffe strategisch positionieren.
    foto: fsa

    Die Cluster-Unternehmen wollen sich in der Entwicklung neuer Antriebssysteme und leichterer Werkstoffe strategisch positionieren.

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