Kinderhospiz: Kein Geld für sterbenskranke Kinder

15. September 2016, 09:53
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1.000 Kinder in Österreich brauchen Palliativpflege. Der Dachverband Hospiz fordert öffentliche Förderung, viele Projekte sind rein spendenfinanziert

Salzburg – Julian hatte einen tragischen Unfall und liegt seit fünf Jahren im Wachkoma. Er braucht 24-Stunden-Pflege, muss künstlich ernährt, regelmäßig umgebettet und gewaschen werden. Seine Geschwister stehen oftmals hintenan. Seine Eltern tun ihr Möglichstes.

Julian ist nur eines von rund tausend Kindern in Österreich, die an einer unheilbaren, lebenslimitierenden Erkrankung leiden. Auch Babys sind betroffen. Etwa Mechmet, der mit einer schweren angeborenen Behinderung zur Welt gekommen ist. Durch ein mobiles Kinderhospizteam konnte er seine erste und letzte Lebenswoche zu Hause im Kreis seiner Großfamilie verbringen, schildert die Kinderhospizbeauftragte im Dachverband Hospiz Österreich, Martina Kronberger-Vollhofer.

Know-how und Konzepte vorhanden

Doch noch immer fehlt es an der Regelfinanzierung von spezialisierten Kinderhospiz- und Palliativangeboten in Österreich. "Das Know-how und die Konzepte sind da", betont die Präsidentin des Dachverbands, Waltraud Klasnic, anlässlich des ersten Pädiatrischen Hospiz- und Palliativkongresses im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil. "Wir benötigen dringend eine öffentliche Finanzierung, damit es nicht vom Spendenaufkommen abhängt, ob und wie schwerstkranken und sterbenden Kindern und ihren Familien geholfen wird."

Das Hospizangebot für Kinder sei bei weitem noch nicht ausreichend, sagt Dachverbandsgeschäftsführerin Leena Pelttari. In vier Bundesländern fehlen mobile Kinderpalliativteams. Die bestehenden multiprofessionellen Teams aus Pflegerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeitern und ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen sind teilweise nur durch Spenden finanziert. Stationäre Hospizangebote haben ebenso Seltenheitswert wie pädiatrische Palliativbetten. Es brauche in jeder Kinder- und Jugendabteilung in Österreichs Krankenhäusern zumindest ein pädiatrisches Palliativbett, fordert der Dachverband. Derzeit gibt es nur drei solche Betten in Niederösterreich.

18 Millionen Euro benötigt

Kinder, die im Sterben liegen, werden auf den Kinder- und Jugendstationen im Krankenhaus so gut wie möglich mitbetreut, sagt der Präsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, Wolfgang Sperl. Besonders die Versorgung für Kinder mit seltenen Krankheiten sei in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterbelichtet.

Für den laufenden Betrieb österreichweit brauche es rund 18 Millionen Euro jährlich, schätzt der Dachverband. "Pädiatrische Palliativmedizin ist nicht teuer", sagt Martina Kronberger-Vollhofer, die auch das mobile Kinderhospiz Momo in Wien leitet. Es werden Synergien genutzt, und es wird vernetzt gearbeitet, um die Kinder möglichst zu Hause zu lassen. "Es ist unsere menschliche und gesellschaftliche Pflicht, sie auf ihrem Weg zu begleiten." (Stefanie Ruep, 15.9.2016)

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