Blue Origin will in vier Jahren neue Trägerrakete ins All schicken

14. September 2016, 18:39
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Konkurrenz für SpaceX: Unternehmen kündigte mit "New Glenn" ein leistungsstarkes System für Nutzlasten und bemannte Missionen an

Kent/Wien – Jeff Bezos hat seinen Fuß in vielen Türen. Der US-amerikanische Milliardär, der einst das Onlineversandimperium Amazon ins Leben gerufen hatte, gründete 2003 sein eigenes Raumfahrtunternehmen: Blue Origin. Dieses war bisher vor allem für sein auf Weltraumtourismus ausgerichtetes Konzept bekannt, das auf suborbitale Flüge mit wiederverwertbaren Systemen abzielt – doch das soll sich jetzt ändern.

Seit 2013 besitzt Bezos auch die US-Tageszeitung "The Washington Post", und ebendort wird er nun mit seinem neuesten ambitionierten Vorhaben zitiert: "Unsere Vision ist, dass Millionen von Menschen im Weltraum leben und arbeiten. New Glenn ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung."

New Glenn soll nämlich eine neue Rakete heißen, die Blue Origin bis 2020 bauen und nach dem Nasa-Astronauten John Glenn benennen will. Das Vorhaben ist wortwörtlich groß: Die Rakete soll über eine wiederverwendbare erste Stufe verfügen und in zwei Versionen gebaut werden. Die zweistufige Ausführung ist mit einer Höhe von 82 Metern veranschlagt, die dreistufige Version kommt auf fast 95 Meter und einen Durchmesser von sieben Metern.

Privater Wettlauf

Damit wäre sie nur wenig kleiner als die Saturn-V-Rakete des einstigen Mondprogramms der Nasa und würde die Falcon Heavy deutlich überragen, die der private Raumfahrt-Rivale SpaceX derzeit für potenzielle bemannte Missionen zum Mond oder Mars entwickelt.

Im Wettrennen mit der privaten Raumfahrtkonkurrenz lag Blue Origin bislang immer weit zurück. Zwar hatte SpaceX in der Vergangenheit immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen – zuletzt war etwa eine Falcon-9-Rakete bei Routinetests auf einer Startrampe in Cape Canaveral explodiert. Doch immerhin führt das Unternehmen des Milliardärs Elon Musk seit 2012 Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation ISS und private Satellitenstarts durch. Im Dezember 2015 gelang SpaceX zudem erstmals die Rückkehr und Landung der ersten Stufe einer Falcon-9-Rakete.

Neues Triebwerk

Da will auch Blue Origin künftig mitmischen, hat bis dato aber nur eine kleine, ebenfalls wiederverwertbare Rakete entwickelt und erfolgreich getestet: die New Shepard. Dieses suborbitale System erreicht knapp den Weltraum und soll ab 2018 zahlungskräftige Touristen dorthin befördern. Das Unternehmen arbeitet aber schon seit längerem an einem neuen Raketentriebwerk (BE-4), das den zehnfachen Schub des Triebwerks der New Shepard haben soll.

"Wir planen, New Glenn bis Ende des Jahrzehnts erstmals zu starten", erklärte Bezos, genauere Daten über die neue Rakete blieb er aber vorerst schuldig. In Anbetracht dieses kurzen Zeitraums und der noch geringen Erfahrung seines Unternehmens ist das eine gewagte Ankündigung. Aber immerhin: Die Startrampe am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral gibt es schon. (David Rennert, 15.9.2016)

  • Teststart einer New-Shepard-Rakete des Privatunternehmens Blue Origin. Bis 2020 will die Firma ein neues System haben.
    foto: blue origin

    Teststart einer New-Shepard-Rakete des Privatunternehmens Blue Origin. Bis 2020 will die Firma ein neues System haben.

  • Raketen im Größenvergleich: Die dreistufige Version der New Glenn soll nahe an die Saturn-V heranreichen.
    illustration: blue origin

    Raketen im Größenvergleich: Die dreistufige Version der New Glenn soll nahe an die Saturn-V heranreichen.

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