Wie Plutos riesiger Mond Charon zu seiner roten Kappe kam

17. September 2016, 20:07
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New-Horizons-Daten und Modellberechnungen weisen auf saisonale Freisetzung von Methangas hin, das von Pluto stammt

Flagstaff – Als die Nasa-Sonde New Horizons im Rahmen ihrer spektakulären Mission am 14. Juli 2015 am Pluto vorüber flog, gelangen ihr auch äußerst detailreiche Aufnahmen von den Monden des Zwergplaneten. Besonderes Interesse galt dabei Charon, der wegen seiner ungewöhnlichen Größe con 1.200 Kilometern mit Pluto zusammen genau genommen ein Doppelsystem bildet.

foto: nasa/jhuapl/swri
Charons Oberfläche erzählt von einer turbulenten Vergangenheit.

Die bisherigen Analysen dieser Bilder weisen auf eine buchstäblich bewegte Vergangenheit des Plutomondes hin: Ein bis zu neun Kilometer tiefes und 1.600 Kilometer langes Canyonsystem, das sich möglicherweise auf der Rückseite des Mondes fortsetzt, könnte bedeuten, dass Charon über einen unterirdischen Ozean verfügt. Auffällig sind auch die überraschenden Farbvariationen auf der Oberfläche des eisigen Trabanten. Für einen Teil davon könnten Astronomen nun eine Erklärung gefunden haben.

Wie Will Grundy und seine Kollegen vom Lowell Observatory in Flagstaff, Arizona, im aktuelle Fachjournal "Nature" schreiben, rührt die rötliche Farbe am Nordpol von Charon wahrscheinlich von Methangas her. Auf Basis von New-Horizons-Daten und Modellberechnungen kamen die Wissenschafter zu dem Schluss, dass Methan, das Pluto ausgestoßen hatte, von seinem nahen Mond eingefangen und in der Polregion abgelagert wurde.

foto: nasa/johns hopkins university applied physics laboratory
Freigesetztes Methangas könnte für den roten Nordpol von Charon verantwortlich sein.

Dort blieb es im mehr als hundertjährigen Winter bei sehr tiefen Temperaturen im Eis gefangen. Sobald sich der nördliche Pol allerdings der Sonne zuwandte, wurde das Methangas wieder freigesetzt und reagierte mit dem Umgebungsmaterial, berichten die Wissenschafter. Diese chemischen Reaktion führte schließlich zu den sichtbaren roten Ablagerungen. (red, 17.9.2016)

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