Fonds von Börsen-Promis in der Kritik

18. September 2016, 14:00
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Von Börse-Kennern wird erwartet, dass sie stabile Gewinne erwirtschaften. An den Fonds von Max Otte oder Dirk Müller kann man das noch nicht ablesen

Wien – Der ehemalige Börsenmoderator Stefan Riße hat es getan. Universitätsprofessor Max Otte tut es – ebenso wie Dirk Müller, der als "Mister Dax" Berühmtheit erlangt hat. Sie alle sind ins Fondsgeschäft eingestiegen und managen Produkte. Riße hat es allerdings im Mai aus der Bahn geworfen. Sein Multi-Asset-Fonds "Riße Inflation Opportunities UI" wurde eingestellt, nachdem die Verluste nach oben geschnellt waren. "Mir sind einige kardinale Fehleinschätzungen unterlaufen", zog Riße in einem Interview mit dem Portal "Fondsprofessionell" danach Bilanz.

Seither stehen die sogenannten Promi-Fonds noch mehr im Rampenlicht – vor allem auch wegen ihrer überschaubaren Performance. So liegt etwa der Fonds "Dirk Müller Premium Aktien" (aufgelegt wurde der Fonds im April des Vorjahres) rund sieben Prozent im Minus. Mit dem "Max Otte Vermögensbildungsfonds AMI P" konnten seit Beginn der Laufzeit (August 2013) immerhin etwas mehr als sieben Prozent verdient werden. Zuletzt rutschte die Performance aber auch ins Minus. Laut dem Analysehaus Morningstar gehört Ottes zweiter Fonds, der "PI Global Value", im Vergleich der vergangenen drei Jahre zu den großen Verlierern. 98 Prozent der Fonds in der entsprechenden Vergleichsgruppe haben sich laut Morningstar besser entwickelt.

Schwieriges Umfeld

Nun zeigen sich auch die Anleger enttäuscht. Denn die Idee, dass jene Leute, die in diversen TV-Shows und Büchern Wirtschafts- und Kapitalmarktthemen einfach erklären können, auch eine bessere Performance als große Asset-Manager-Häuser zustande bringen, geht offensichtlich so nicht auf. Wie auch, es kochen – auf gut Wienerisch gesagt – ja alle mit dem gleichen Wasser, und in einem Umfeld von Nullzinsen liegt der Ertrag eben nicht auf der Straße.

Dennoch hängt an den Namen auch ein großer Wert – nämlich der ihrer eigenen Marke. Und diese gilt es positiv besetzt zu halten. Denn sowohl Müller als auch Otte sind oft und gern gebuchte Gäste für Diskussionen und Vorträge und wollen ihre Bücher weiterhin unters Volk bringen.

Umdenken

Nun muss reagiert werden. Und das tun beide Herren auf unterschiedliche Weise. Max Otto ging in Klausur und hat sich weniger Medienpräsenz und weniger Vorträge verordnet, um sich besser um die Fonds kümmern zu können. Die Entscheidungsprozesse bei der Anlage würden umgebaut. Investmententscheidungen im Team zu treffen, wie das in den vergangenen Jahren getan wurde, habe nicht funktioniert. "Dafür habe ich Lehrgeld gezahlt",sagt Otte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Nun unterstützen Otte zwar zwei Analysten, aber die Anlageentscheidungen trifft der Professor für Betriebswirtschaftslehre nun wieder selbst. Um dafür genügend Zeit zu haben, hat Otte sich laut "FAZ" sogar bis auf weiteres an der Hochschule Worms beurlauben lassen. Auch seinen Vertrag an der Grazer Uni ließ er auslaufen.

Zudem wurde am Investmentansatz gefeilt: Mehr Qualitätsaktien sollen nun in den Fonds gepackt werden und weniger zyklische Titel, wie etwa Rohstoffe, aus denen man zuletzt zu spät ausgestiegen sei. Dass er ins Fondsmanagement eingestiegen ist, bereut Otte in einem Interview mit Fondsprofessionell dennoch nicht.

Langfristig denken

Dirk Müller, der als Börsenhändler über seine Präsenz auf dem Frankfurter Parkett bekannt wurde, nimmt die Kritik an seinem Fonds zur Kenntnis und ist schon wieder auf der Suche nach Unternehmen, in die er investieren kann. Zuletzt war er dafür in Skandinavien und hat dort Aktiengesellschaften besucht. Er wird in Fachmedien so zitiert: "Der Fonds erlebt nur eine kurzfristige Schwächephase. Entscheidend ist, wie er sich langfristig entwickeln wird. (Bettina Pfluger, 15.9.2016)

  • Trotz Kritik an seinen beiden Produkten bereut es Max Otte nicht, ins Fondsmanagement gegangen zu sein.
    foto: dpa / fredrik von erichsen

    Trotz Kritik an seinen beiden Produkten bereut es Max Otte nicht, ins Fondsmanagement gegangen zu sein.

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