Auch die Hawaiikrähe ist eine geschickte Werkzeugnutzerin

Video15. September 2016, 09:00
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Ein ähnliches Verhalten bei der Nahrungssuche war bisher nur von der Geradschnabelkrähe bekannt

St. Andrews/Wien – Die Fähigkeit, Werkzeuge einzusetzen, gilt als einer der Gradmesser für tierische Intelligenz. Unter den Vögeln hat sich in dieser Hinsicht die Geradschnabelkrähe besonders hervorgetan: Die Bewohnerin der südpazifischen Insel Neukaledonien nutzt Zweige, um Käferlarven aus ihren Fraßgängen hervorzulocken. Sie galt bisher als einzige Vertreterin der Gattung Corvus, die ohne menschliches Zutun Werkzeuge verwendet.

Nun haben Forscher um Christian Rutz von der schottischen University of St. Andrews bei einer weiteren tropischen Krähenart ein ähnlich geschicktes Vorgehen entdeckt: Die äußerst seltene Hawaiikrähe Corvus hawaiiensis, auf Hawaiianisch ʻAlala, verwendet offensichtlich ebenfalls kleine Holzstöckchen, um sich Leckerbissen zu angeln. Die Spezies gilt seit etwa einem Jahrzehnt in freier Wildbahn als ausgestorben, in Zoos werden heute noch 109 Exemplare gehalten.

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Video: Geschickt fischt die Hawaiikrähe nach einem im Holz versteckten Happen.

104 davon haben die Forscher genauer untersucht: 78 Prozent der beobachteten Tiere verwendeten spontan Zweige, um an Nahrung zu gelangen, die sie sonst nicht erreicht hätten. Darüber hinaus stellten Rutz und seine Kollegen fest, dass das Alter der Tiere offenbar eine Rolle spielt: Während 93 Prozent aller ausgewachsenen Krähen mit den Zweigen hantierten, waren es unter den Jungtieren nur 47 Prozent.

Konvergente Evolution

Dass es sich um ein natürliches Verhalten handelt, wird laut der im Fachjournal "Nature" präsentierten Studie von zwei Faktoren untermauert: Zum einen praktizierten die Vögel den Werkzeuggebrauch ohne Training oder sozialem Input. Zum andere zeigten fast alle Exemplare der Spezies dieses Verhalten.

Die Hawaiikrähe ist nur entfernt mit der Geradschnabelkrähe verwandt, entwickelte sich aber in einer ähnlichen Inselumwelt. Dies würde nach Ansicht der Wissenschafter für eine konvergente Evolution des Werkzeuggebrauchs sprechen. Und das wiederum könnte bedeuten, dass die Verwendung von Werkzeugen bei der Nahrungsaufnahme bei Vögeln von ökologischen Bedingungen gefördert wird, die für Inseln typisch sind, vermutet Rutz. (tberg, 14.5.2016)

  • Eine Hawaiikrähe im Zoo von San Diego versucht mithilfe eines Stöckchens an einen Leckerbissen zu kommen. Dass diese nur entfernt mit der Geradschnabelkrähe verwandte Art Werkzeuge benutzt, war bisher unbekannt.
    foto: ken bohn / san diego zoo

    Eine Hawaiikrähe im Zoo von San Diego versucht mithilfe eines Stöckchens an einen Leckerbissen zu kommen. Dass diese nur entfernt mit der Geradschnabelkrähe verwandte Art Werkzeuge benutzt, war bisher unbekannt.

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