AUA-Chef Kratky kritisiert Ministerium wegen Landerechten für Emirates

14. September 2016, 15:13
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Kratky lässt kein gutes Haar am Verkehrsministerium und sieht einen "Kampf der Systeme" mit Emirates

Schwechat/Dubai – Harsche Kritik äußert AUA-Chef Kay Kratky an der Entscheidung des Verkehrsministeriums, mehr Emirates-Flüge zwischen Wien und Dubai zuzulassen: "Wie in Gottes Namen kann man unterstützen, dass Carrier von außerhalb mit einer Kapazität von 1.000 Plätzen am Tag Passagierströme umleiten, sodass die heimische Industrie gezwungen ist, Strecken zuzumachen". Die AUA hat die Strecke nach Dubai eingestellt.

Wenn man "Überkapazitäten zulässt in einen fremden, ich würde fast sagen feindlichen Hub" dann würden auch Direktverbindungen der AUA auf der Langstrecke an andere Ziele wie Singapur oder China unter Druck geraten, so Kratky am Mittwoch beim Luftfahrtsymposium in Wien. Denn Emirates könne die geplanten 1.000 Sitze am Tag nur füllen, wenn die Verbindung in andere Destinationen mit Umstieg in Dubai billig angeboten werde. Das müsse die Politik bedenken. Es drohe der AUA, zu einem Zubringer nach München oder Frankfurt degradiert zu werden – "das will ich nicht", so der AUA-Chef. "Das sind Systeme, die gegen uns antreten und nicht ein Airport oder eine Airline". Die AUA wirft Emirates seit langem vor, nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien zu kalkulieren.

Streit um Kapazitäten

Ursula Zechner, Sektionsleiterin im Verkehrsministerium, hielt beim Luftfahrtsymposium entgegen, dass es mit den Vereinigten arabischen Emiraten keine Liberalisierung des Flugverkehrs gebe, sondern nur Vereinbarungen über einzelne Strecken. Welche Maschinen dann eingesetzt werden, liege aber nicht im Ermessen des Ministeriums. Außerdem sei es im Interesse des Flughafens Wien, dass das weltgrößte Passgierflugzeug landen kann – das könne auch anderen Airlines zugute kommen. Mit der Türkei gebe es, dem Wunsch der heimischen Luftfahrt entsprechend hingegen schon ein liberales Luftfahrtabkommen, erinnerte Zechner. Turkish Airlines ist mit dem Umstieg in Istanbul ebenfalls eine starke Konkurrenz für Europäische Fluglinien, allerdings sind andere türkische Destinationen für die AUA als Tourismusziele interessant.

Die Kritik der AUA entzündet sich daran, dass Emirates nicht nur häufiger zwischen Wien und Dubai fliegt, sondern dabei zunehmen die weltgrößte Passagiermaschine A380 einsetzt und dadurch die Kapazität auf der Strecke erhöht – auf bis zu 1.000 Passagiere am Tag. Dubai hat die AUA inzwischen als Strecke aufgegeben. Die AUA hat allerdings unter der Konkurrenz der stark wachsenden Turkish Airlines und anderer türkischer Fluglinien auch die Strecke Wien-Istanbul aus dem Flugplan gestrichen.

Flughafen-Vorstand sieht Vorteile

Auch Flughafen-Vorstand Julian Jäger sagte bei der gemeinsamen Podiumsdiskussion, "wir freuen uns als Luftfahrtenthusiasten, wenn das größte Passagierflugzeug der Welt in Wien landet". Außerdem habe die Lufthansa-Gruppe, zu der die AUA gehört, in Wien einen Marktanteil von 60 Prozent, während Emirates bei 1,7 Prozent halten und sich auch keine rasantes weiteres Wachstum abzeichne. Angesichts der Tatsache, dass die AUA seit Mitte der 2000er Jahr viele Langstreckenflüge gestrichen hat, sie es "logisch, wenn die Turkish oder Golfcarrier, die ... aus Kundensicht sehr sehr viel richtig gemacht haben, ihre geografische Lage ausnutzen und in den Markt kommen". Das werde von Kunden auch sehr begrüßt.

Kratky ist insgesamt mit der Verkehrspolitik unzufrieden: "Monopole diktieren die Kosten, die Staaten verfolgen nationale Interessen und verhindern Synergien und Konsolidierungsprozesse", sagte er. Man müsse Wege finden, "das System, das wir heute haben, professionell, kostengünstig effizient zu nutzen". (APA, 14.9.2016)

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