Schweres Erbe: Alpenthriller "Liebe bis in den Mord" auf ORF und ZDF

Ansichtssache15. September 2016, 07:00
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Früher hätte man das Heimatfilm genannt. Oder alte Schmonzette in neuer Tracht

"Geh nach München, setz dich an deinen Computer, entwickle irgendeine Software, und alle sind zufrieden." Wenn Adrian (Gabriel Raab) diesen Ratschlag nur beherzigen würde. Aber nein, Adrian ist der schweigsame Typ, der bei den Festen anderer nicht in der Firma in der Großstadt sitzt, sondern allein am Nebentisch sein Bier trinkt und lauernden Blickes auf seinen Auftritt wartet.

foto: orf/zdf/jacqueline krause-burberg

Man ahnt bereits, dass Sonja (Felicitas Woll) und ihn mehr verbindet – oder belastet – als eine unbeschwerte Jugend im Allgäu, wohin sich der Schönling mit den blauen Augen und im blaukarierten Hemd zurückverirrt hat. Hat man damals einander gar ewige Liebe geschworen? "Wir waren fünfzehn!", weist ihn die mittlerweile glücklich Verheiratete zurück. Das kann nicht gutgehen. Das wird nicht gutgehen. Und schon gar nicht in Bayern.

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foto: orf/zdf/jacqueline krause-burberg

Wenn in den Bergen geliebt wird, kann das nämlich tödlich sein. "Liebe bis in den Mord", Dienstagabend als ORF-Premiere im Hauptabendprogramm zu sehen – im ZDF gar als "Fernsehfilm der Woche" –, machte als "Alpenthriller" auf sich aufmerksam. Nach weniger als zwei Sekunden war klar: Früher hätte man das Heimatfilm genannt. Oder alte Schmonzette in neuer Tracht.

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Während man hierzulande immerhin zu präsidialen Wahlkampfzeiten die Heimat nicht dem politischen Gegner zu überlassen bereit ist und im Kino sogar der Western längst in die finsteren Täler gezogen ist, melken Fernsehfilmproduzenten die ideologische Kuh offensichtlich gerne noch ein wenig länger.

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foto: orf/zdf/jacqueline krause-burberg

Ein schweres Erbe ist eben nicht so einfach abzuschütteln: "Dein Vater wäre stolz auf dich." Großes Aufschnaufen der guten Luft am Ende. (Michael Pekler, 15.9.2016)

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