Steigende Gefahr durch Wechselwirkungen von Medikamenten

14. September 2016, 13:29
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Die Österreicher unterschätzen die Gefahr durch das Kombinieren von Arzneimitteln. Experten fordern bessere Vernetzung und eine Zusammenführung aller verfügbaren Daten

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker: Medikamente heilen und retten Leben – immer öfter passiert aber das Gegenteil. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist jede zehnte Spitals-Aufnahme auf unerwünschte Arzneimittelereignisse zurückzuführen, heißt es von Experten.

Zehn Milliarden Mal wird pro Jahr in Österreich eine Tablette geschluckt, eine Salbe aufgetragen oder eine Infusion verabreicht. 13.204 Humanarzneispezialitäten sind derzeit zugelassenen, 5.585 Präparate (42 Prozent) davon rezeptfrei. Menge und Vielfalt steigen, die Gefahren durch eine Kombination werden aber meist unterschätzt. Eine besondere Herausforderung stellt die Polypharmazie, also die gleichzeitige Verordnung von mindestens fünf Medikamenten, dar. Im Pflegebereich sind es beispielsweise durchschnittlich sechs Arzneimittel, die regelmäßig verabreicht werden.

"Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten", erläuterte Patientenanwalt Gerald Bachinger. "Ab fünf weiß keiner mehr, wie diese interagieren". Die Fehlerquote steigt, aber auch, wenn die Patienten alle Anweisungen befolgen, bleibt das Risiko hoch. Außerdem sinken mit dem Anstieg der Präparate Therapietreue und Einnahmegenauigkeit. Er sieht in der e-Medikation bzw. in automatisierten Unterstützungssystemen vielversprechende Hoffnungsträger.

Tagebuch für Medikamente

Der internationale Tag der Patientensicherheit am 17. September steht vor allem im Zeichen der immer aktuelleren Herausforderungen, steigenden Möglichkeiten für die Betroffenen optimal einzusetzen. Ein zentraler Punkt sind Information und Bewusstseinsbildung bei Patienten, Angehörigen und der Öffentlichkeit, aber auch medizinischem Personal, das nicht immer optimal kommuniziert. Ein Augenmerk liegt auf der Selbstverantwortung: So wird die Führung einer detaillierten Medikamentenliste dringend empfohlen, aber auch die regel- und sachmäßige Einnahme der Präparate angemahnt.

Risiken lassen sich nur mit einer umfassenden Zusammenführung aller verfügbarer Daten und der Vernetzung der Involvierten effizient minimieren, zeigten sich Vertreter von Ärztekammer, Patientenanwaltschaft, Gesundheitsministerium und Pflegepersonal überzeugt. Ein neues Fehlermeldesystem soll eine bessere Fehlerkultur etablieren und exzessive Polypharmazie (Einsatz von mehr als zehn Präparaten) vermieden werden. Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) nahm entgegen der ursprünglichen Ankündigung nicht an der Pressekonferenz teil. (APA, 14.9.2016)

  • Ein Fehlermeldesystem soll exzessive Polypharmazie, also den Einsatz von mehr als zehn Präparaten zukünftig verhindern.
    foto: apa/dpa/daniel reinhardt

    Ein Fehlermeldesystem soll exzessive Polypharmazie, also den Einsatz von mehr als zehn Präparaten zukünftig verhindern.

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