Kälte treibt Ameisen zur Flucht in die Baumkronen

14. September 2016, 12:21
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Wenn es ihr am Boden zu kühl wird, verlegt Temnothorax saxonicus ihre Nester kurzerhand einen Stock höher

Frankfurt – Die zwei bis drei Millimeter kleine Knotenameisenart Temnothorax saxonicus ist in Mitteleuropa an vielen Orten anzutreffen: In lichten Wäldern, an Waldrändern – und in der Regel am Boden, wo sie auch ihre Nester anlegt. Manchmal jedoch tauchen die Tiere mitsamt ihren nur 50 bis 300 Arbeiterinnen umfassenden Nestern auch in Baumwipfeln auf. Den Grund dafür haben nun deutsche Biologen herausgefunden, wie das Senckenberg-Forschungsinstitut berichtet: Bei solchen Tieren handelt es sich um Kälteflüchtlinge.

Der Sonne entgegen

Der Ameisenforscher Bernhard Seifert vom Senckenberg-Museum für Naturkunde in Görlitz vermutete schon länger, dass sinkende Bodentemperaturen zu einer Verlagerung der Nester führen könnten. Um dies zu überprüfen, maß er in Parkanlagen im Raum Dresden die Bodentemperaturen. Sein Kollege Patrik Fiedler begab sich derweil auf die Suche nach Ameisennestern in Baumkronen, wofür er eigens einen Baumkletter-Kurs absolviert hatte.

Das Ergebnis: Überall dort, wo es Nester in den Baumkronen gab, lagen die Bodentemperaturen deutlich unter denen von Standorten, an denen die Ameisen zu ebener Erd' ihren Nachwuchs aufzogen. Die unterschiedlichen Temperaturen waren eine Folge des Pflanzenbewuchses, der mal mehr, mal weniger Sonnenlicht bis zum Boden dringen ließ.

Kein Wert ohne Preis

Die Flucht in die Höhe kann zwar den Nachwuchs warm genug halten, hat aber auch ihren Preis: Die Ameisen bewegen sich dadurch laut den Forschern in eine Zone hinein, in der die Konkurrenz um Nahrung und Wohnraum weit härter als am Waldboden ist. So haben in den Baumwipfeln die zwei nahe verwandten Ameisenarten Temnothorax affinis und Temnothorax corticalis ihren Lebensraum – sie siedeln immer in Baumkronen.

Auch die Aktivität von Fressfeinden – etwa Spechte oder ameisenfressende Spinnen – ist in den Baumkronen eher höher als am Boden. Dennoch scheinen sich die Ex-Bodenbewohner durchaus gegen die Ureinwohner des Lebensraumes behaupten können, schließen die Forscher aus der Zahl der beobachteten Neuansiedler. (red, 14. 9. 2016)

  • Ganze drei Millimeter misst die Ameise Temnothorax saxonicus.
    foto: senckenberg/seifert

    Ganze drei Millimeter misst die Ameise Temnothorax saxonicus.

  • Die winzigen Eingänge zu ihren Nestern, in denen höchstens wenige hundert Ameisen zusammenleben, sind kaum zu erkennen: Man muss auf Auswürfe feinster Holzpartikel achten.
    foto: senckenberg/seifert

    Die winzigen Eingänge zu ihren Nestern, in denen höchstens wenige hundert Ameisen zusammenleben, sind kaum zu erkennen: Man muss auf Auswürfe feinster Holzpartikel achten.

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