Gemeinsam mit der Putzfrau putzen

15. September 2016, 15:57
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Kaffeeservierender Spießer oder Putzkomplexler?

foto: istock / kirstyokeeffe

Pro
von Katharina Mittelstaedt

Wer putzt, bevor die häusliche Reinigungskraft kommt, ist zweifelsfrei ein Spießer. Ist die Zugehfrau erst angekommen, gestaltet sich die Situation allerdings gänzlich anders: Der gemeine Dreckspatz sollte ihr dann nicht nur beim Reinemachen zur Hand gehen. Angemessen wäre es auch, Kaffee für sie aufzusetzen und Plundergebäck zu servieren.

Das Wichtigste ist jedoch die thematische Ausgestaltung der gemeinsamen Rauchpause. Empfohlen sei dem gestressten Workaholic hierfür zumindest, ein Kurzreferat zum Thema Arbeitsrecht einzustudieren.

Der edle Saubartel nützt die kurze Auszeit aber, um der Putzfrau – zuallermeist sind es ja Frauen – dabei zu helfen, einen Job zu finden, in dem sie auch bezahlt wird, wenn sie krank ist. Dann könnte ihre Dienstleitung endlich über eine Firma bezogen werden, die sie tatsächlich anstellt.

Wer das nicht hinbekommt, kann beim dualen Fensterputzen mit der Hausperle schon einmal die gemeinschaftliche Reise ans Meer planen. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind doch bestimmt noch ausständig.

Kontra
von Fabian Schmid

Wer gemeinsam mit seiner Putzfrau putzt, hat den Sinn einer Dienstleistung nicht verstanden: nämlich sich zurückzulehnen, zu entspannen und froh zu sein, dass jemand anderer die Arbeit erledigt.

Parallel mit seiner "Hausperle" den Boden zu wischen wäre ungefähr so, wie ein halbfertiges Abendessen ins Restaurant mitzubringen – oder gleich in die Küche des Wirtshauses zu stapfen, um dem Koch beim Würzen und Schneiden zu helfen.

Dasselbe gilt auch für das "Vorputzen", das manche Neurotiker aus Scham vor den strengen Augen der Putzfrau durchführen. Wer derartige Putzkomplexe hat, sollte das Übertragen der Reinigung an Fremde sein lassen.

Abgesehen davon, dass man sich mit dem gemeinsamen Putzen selbst schadet, sollte man bitte auch die arme Putzfrau (immer öfter: den armen Putzmann) in Ruhe lassen. Niemand mag es, wenn einem der Chef ständig über die Schulter schaut. Oder – noch nervtötender – die eigene Arbeit "verschlimmbessert".

Das weiß ich natürlich nur vom Hörensagen. (RONDO, 16.9.2016)

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