WM-Affäre: 5,5 Millionen Euro für Beckenbauer

13. September 2016, 18:46
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"Kaiser" werkte keineswegs, wie bislang behauptet, ehrenamtlich für das Organisationskomitee der WM 2006 in Deutschland

Wien – Neuigkeiten in der scheinbar unendlichen Saga um die WM-Affäre 2006. Wie der "Spiegel" berichtet, hat Franz Beckenbauer als Chef des Organisationskomitees für die Weltmeisterschaft in Deutschland 5,5 Millionen Euro erhalten. Bisher hatte der Deutsche Fußballverband (DFB) behauptet, Beckenbauer habe ehrenamtlich gewerkt.

Versteuert, so der "Spiegel" weiter, wurden die Einkünfte jedoch erst nach einer Steuerprüfung beim DFB vier Jahre später. Beckenbauer und der Verband wollten die Millionen also offenbar an der Finanz vorbei schleusen. Bezahlt wurde das Geld angeblich als Gegenleistung für Werbeauftritte Beckenbauers für den staatlichen Sportwettenanbieter Oddset, 2006 einer von sechs "nationalen Förderern" der WM.

Warum das Unternehmen jedoch keinen direkten Vertrag mit Beckenbauer schloss, sondern dieser die Zahlung aufgrund zweier Vereinbarungen mit dem DFB erhielt, ist unklar. Strafrechtlich relevant dürfte der Vorgang wohl nicht mehr sein.

Beckenbauer gerät damit knapp ein Jahr nach Bekanntwerden der Affäre um die WM 2006 noch weiter ins Zwielicht. Zuletzt waren die Durchsuchung seines Anwesens in Salzburg und die offizielle Bekanntgabe von Ermittlungen in der Schweiz öffentlich geworden.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt schon seit November 2015. Verdächtigt werden neben Beckenbauer auch die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie der ehemalige Generalsekretär Horst R. Schmidt.

Konkret geht es um die 6,7 Millionen Euro, die 2005 vom deutschen Organisationskomitee über den Weltverband FIFA mutmaßlich an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überwiesen worden sind. Exakt diese Summe war drei Jahre zuvor offenkundig in Form von Vorleistungen von Beckenbauer und Louis-Dreyfus an den früheren FIFA-Funktionär Mohamed Bin Hammam nach Katar geflossen. (red, sid, 13.9. 2016)

  • Franz Beckenbauer schweigt.
    foto: reuters/schwarz

    Franz Beckenbauer schweigt.

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