Kriminalität als Möglichkeit zur Integration

16. September 2016, 18:26
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Beschränkung des Arbeitsmarkts für Migranten kann diese zu Straftaten verleiten

Wien – Kriminell zu werden kann für manche Migranten der einzige Weg sein, sich hierzulande zu integrieren, erklärten die Politikwissenschafterin Monika Mokre und die Übersetzerin und Aktivistin Birgit Mennel bei der Jahrestagung Migrations- und Integrationsforschung am Montag in Wien. Dieses Dilemma sei nicht irrationalem Verhalten der Betroffenen geschuldet, sondern von staatlicher Seite verursacht.

Asylwerber könnten nämlich nicht legal einer bezahlten Arbeit nachgehen. Ebenso wenig Migranten, die keine Aufenthaltsberechtigung haben, etwa weil sie diese durch eine Ehescheidung oder eine Kündigung verloren haben, oder deren Asylantrag abgelehnt wurde, ohne dass sie abschiebbar wären.

Asylwerber erhalten zwar eine staatliche Unterstützung, doch die reiche nicht für die Grundbedürfnisse, so Mennel vom European Institute for Progressive Cultural Policies und Mokre von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Menschen ohne gültige Papiere dürfen weder arbeiten, noch haben sie Anspruch auf Sozialleistungen.

Diebstahl und Drogenhandel

"Wir dürfen gar nichts machen", zitierten sie einen Betroffenen, "also beginnt man zu stehlen oder Drogen zu verkaufen, damit man leben kann." Die Verdienstmöglichkeiten in diesen risikoreichen Formen der Kleinkriminalität seien zwar bei weitem nicht so hoch wie oft kolportiert, könnten aber reichen, um eine Familie durchzubringen.

Außerdem ermöglicht das illegal erworbene Geld, sich so zu kleiden, dass man auf der Straße nicht auffällt, und soziale Kontakte zu pflegen, was Grundlage für eine Anpassung und Integration in die Mehrheitsgesellschaft ist.

Es gibt im österreichischen Recht durchaus die Möglichkeit, dass Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung, die aber auch nicht abgeschoben werden können, hier legal leben und sich integrieren können, erklärte Mokre – zum Beispiel mit dem Instrument der "Duldung". Durch diese käme man zu einem Status, mit dem man arbeiten und Geld verdienen darf. Sie werde in Österreich aber selten ausgesprochen. (APA, 17.9.2016)

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