Wo Vampirfledermäuse Tollwut verbreiten

13. September 2016, 18:18
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Genetische Analysen sollen die Ansteckungsgefahr durch Blutsauger in Südamerika besser vorhersagbar machen

Glasgow/Wien – Die in Zentral- und Südamerika heimischen Vampirfledermäuse haben definitiv einen Sonderstatus in der Biologie: Sie sind die einzigen Säugetiere, die sich ausschließlich vom Blut anderer Spezies ernähren. Ihr Biss kann im Prinzip jedes Tier treffen, das groß genug ist. Dem Gemeinen Vampir (Desmodus rotundus) dienen aber vorzugsweise Säugetiere wie Rinder und Pferde oder auch Menschen als Nahrungsquelle.

Der Fressvorgang, den die Opfer dank eines lokalen Betäubungsmittels im Speichel der Blutsauger kaum spüren, dauert rund eine halbe Stunde und umfasst bis zu 30 Milliliter Blut. Doch liegt die Bisswunde einmal offen, kehren die Fledermäuse nach Möglichkeit mehrmals zu ihrem Opfer zurück.

Viruswanderung

Für die Beutetiere ist das hochgefährlich: Schätzungen zufolge gehen jährlich bis zu 100.000 tote Rinder auf das Konto der Vampire. Die Todesursache ist aber nur selten der Blutverlust, weitaus häufiger erkranken Bissopfer an Infektionskrankheiten, die viele Fledermäuse in sich tragen. Besonders problematisch ist dabei die Tollwut, die durch Vampire in immer neue Gegenden eingeschleppt wird.

Um effektive Schutzmaßnahmen gegen künftige Epidemien ergreifen zu können, müsste man die Dynamik der Krankheitsverbreitung durch die Fledermäuse besser kennen. Doch genau das ist schwierig, da sich das Wanderverhalten infizierter Vampire langfristig kaum nachvollziehen lässt. Forscher um Daniel Streicker (University of Glasgow) haben einen anderen Weg gefunden, um Vorhersagen über künftige Problemregionen treffen zu können: Sie legen aktuell im Fachblatt "PNAS" genetische Analysen hunderter infizierter Fledermäuse und Beutetiere aus Peru vor, aus denen sich ein räumliches Verbreitungsmuster ablesen lässt.

Präventive Schritte

Die Tollwut gelangt demnach vor allem durch männliche Fledermäuse aus dem Amazonas-Regenwald in die Anden. Von dort aus dürfte das Virus künftig weiter an die Pazifikküste Südamerikas verschleppt werden, so die Prognose. In den Küstenregionen Perus seien Tollwutausbrüche in etwa vier Jahren zu erwarten, danach auch in Ecuador und Chile.

"Das könnte schwerwiegende Folgen für die Landwirtschaft, den Artenschutz und die menschliche Gesundheit haben", warnt Streicker. Dieser Gefahr müsse man mit Präventivimpfungen, verstärkten Überwachungsmaßnahmen und Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung begegnen – nur so könnten künftige Krankheitsausbrüche eingedämmt werden. (David Rennert, 13. 9. 2016)

  • Der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) kann als Krankheitsüberträger Menschen und Nutztieren gefährlich werden.
    foto: d. streicker

    Der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) kann als Krankheitsüberträger Menschen und Nutztieren gefährlich werden.

  • Hier eine Kolonie in Peru.
    foto: d. streicker

    Hier eine Kolonie in Peru.

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