50 Jahre "Star Trek": Zwischen Astrobiologie und Warp-Antrieb

14. September 2016, 07:00
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Pünktlich zum Jubiläum präsentierten Wissenschafter in der Wiener Sternwarte Urania den aktuellen Stand der Forschung rund um außerirdisches Leben

Wien – Vor 50 Jahren dröhnte erstmals die einprägsame Titelmelodie einer Serie aus den Fernsehgeräten, die zu einem Fixstern, wenn nicht gar zu einem eigenen Universum der Popkultur werden sollte: "Star Trek", auf Deutsch "Raumschiff Enterprise", brach erstmals auf, um "neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen". Doch wie wahrscheinlich ist die Existenz anderer Lebewesen im Universum? Fragen wie diese standen anlässlich des Jubiläums vergangene Woche im Zentrum einer Veranstaltung der Wiener Sternwarte Urania.

"Es wäre eine große Überraschung, wenn es nirgendwo da draußen Leben geben sollte", sagte Johannes Leitner von der Forschungsplattform Exolife der Universität Wien. "Wir gehen momentan davon aus, dass das gesamte Universum 100 Milliarden Galaxien beinhaltet. Unsere Milchstraße ist eine davon, und sie allein besteht aus 100 bis 400 Milliarden Sternen." Wissenschafter nehmen an, dass etwa 60 Prozent aller Sterne Planeten haben könnten.

Diese immense Anzahl an Möglichkeiten wird limitiert, wenn man nur die habitable Zone um Sterne betrachtet – also jenen Bereich, in dem flüssiges Wasser und damit theoretisch erdähnliches Leben möglich ist. Das Weltraumteleskop Kepler lieferte 2740 Kandidaten für Exoplaneten, von denen sich etwa fünf in der habitablen Zone befinden und annähernd Erdgröße haben. Von "Zwillingsplaneten der Erde" kann dabei jedoch noch keine Rede sein, so der Astronom: "Die einzigen Parameter, die man von extrasolaren Planeten bis jetzt kennt, sind ihre Masse, Größe und Entfernung zum Stern. Da ist es unmöglich zu sagen, wie erdähnlich sie sind."

Unbekannte Lebensformen

Außerirdisches Leben müsste aber nicht zwangsweise auf Kohlenstoff und Wasser basieren – was die Möglichkeiten wieder erweitert. "Hier muss man 'Star Trek' loben: Die Serie hat erstmals im großen Stil adressiert, dass Leben auch etwa auf Silizium basieren könnte", sagte Leitner. Die intelligente Spezies der Horta sieht nicht wie die übrigen verhältnismäßig humanoiden Außerirdischen der Serie aus, sondern erinnert eher an einen großen Klumpen erkalteter Lava – und wird zunächst auch für Gestein gehalten.

Auf der Erde lebende Arten, die Weltraumbedingungen zumindest temporär überstehen können, sind jedenfalls längst bekannt: "Bärtierchen halten die entsprechende Strahlung und Kälte aus", so Leitner. Und das Bakterium Deinococcus radiodurans übersteht selbst die 1500-fache Dosis ionisierender Strahlung, die für andere Organismen den Tod bedeuten würde. Ähnlich könnte außerirdisch entwickeltes Leben aussehen. Sogar höher entwickelte Wassertiere schließt Leitner nicht aus: "Es gibt ziemlich sicher mehr Wasserwelten, deren Oberfläche nur aus einem großen Ozean besteht, als erdähnliche Planeten mit Landfläche. Die Möglichkeit, dass es da Delfine oder Tintenfische geben könnte, ist nicht von der Hand zu weisen."

Überlichtgeschwindigkeit

Die Besatzung von "Raumschiff Enterprise" hätte vermutlich keine Schwierigkeiten, diese aus nächster Nähe zu erforschen – der Warp-Antrieb mit Überlichtgeschwindigkeit macht's möglich. Dieser bleibt für uns derzeit Fiktion, sagt Werner Gruber, Direktor des Wiener Planetariums und ehemaliger "Science Buster". Denkbar wäre er jedoch: "Einstein stellte zwar aufgrund seiner speziellen Relativitätstheorie fest: Materie kann sich nicht schneller als Licht bewegen. Der Raum könnte dies aber."

Gruber erklärte die Idee, die der theoretische Physiker Miguel Alcubierre Anfang der 1990er-Jahre entwickelte: "Man packt die Enterprise in eine Raumblase hinein und krümmt den Raum davor und dahinter. Vorn durch eine große Masse, hinten durch exotische Materie." Letztere ist allerdings der Knackpunkt: "Exotische Materie würde sich im Gegensatz zu normaler Materie aufgrund der Gravitation nicht gegenseitig anziehen, sondern abstoßen. Eine solche Art der Materie haben wir bis heute aber nicht gefunden."

Bevor Menschen ohne Warp-Antrieb ins nächste Sonnensystem reisen können, müsste ein anderes Problem gelöst werden. "Dafür bräuchte es aktuell die Energie von zehn Sonnenmassen", so Gruber. Dort, 4,2 Lichtjahre entfernt, gäbe es zumindest einen potenziell erdähnlichen Exoplaneten, Proxima Centauri b. Sollte dieser Leben beherbergen, wäre er einen Besuch wert: "Pflanzen wären höchstwahrscheinlich schwarz, weil sie auf diese Weise das Licht anders absorbieren und wesentlich mehr Energie aufnehmen könnten", sagte Leitner.

Vision und Inspiration

Aus womöglich durch Sonneneruptionen hervorgerufenen Stürmen folgerten US-amerikanische Wissenschafter gar, dass für dort lebende Arten Schuppen auf dem Körper praktisch sein könnten. Leitner: "Das ist unglaublich spekulativ." Reptilienartige Lebewesen wie die Gorn aus dem 'Star Trek'-Universum wären jedenfalls nicht allzu schlecht an eine solche Umwelt angepasst.

Den Machern von "Star Trek" – allen voran Gene Roddenberry – gelang es nicht nur, eine humanistisch geprägte Zukunftsvorstellung in die Köpfe der Zuschauer zu bringen. Sie inspirierten mit ihren ersonnenen Technologien auch viele angehende Wissenschafter und Ingenieure, wie Sidney Perkowitz von der Emory University, Georgia, im Fachblatt "Nature" über die Einflüsse der Serie schreibt. Und dies war und ist in dieser Kombination vor allem eines: faszinierend. (Julia Sica, 14.9.2016)

  • Von links: Mr. Spock (Leonard Nimoy), James Tiberius Kirk (William Shatner) und Montgomery "Scotty" Scott (James Doohan) mit dem legendären Phaser im Anschlag.
    foto: everett collection / picturedesk

    Von links: Mr. Spock (Leonard Nimoy), James Tiberius Kirk (William Shatner) und Montgomery "Scotty" Scott (James Doohan) mit dem legendären Phaser im Anschlag.

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