Anfrage: Privatuniversitäten sind meist gar nicht privat

13. September 2016, 14:00
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Meist stehen Kammern oder Gebietskörperschaften hinter Einrichtungen

Wien – Privatuniversitäten in Österreich sind im Regelfall nicht privat. Hinter den meisten Einrichtungen stehen Bundesländer, Städte, Kammern, die Kirche oder öffentliche Unis. Als wirklich privat geht gerade einmal ein Drittel durch, zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer durch Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

Insgesamt sind in Österreich derzeit zwölf Privatuniversitäten akkreditiert. Davon sind gerade einmal die Wien-Niederlassung der Webster University, die Sigmund Freud Privatuniversität in Wien, die Privatuniversität Schloss Seeburg (Salzburg) sowie die Danube Private University in Krems (NÖ) wirklich privat getragene Einrichtungen.

Die Wirtschaftskammer leistet sich mit der Modul University Vienna sowie der Privatuniversität der Kreativwirtschaft in St. Pölten gleich zwei Privatunis, auch das Land Oberösterreich ist recht aktiv: An der Anton Bruckner Privatuniversität ist es zu 90 Prozent beteiligt, an der Katholischen Privatuniversität Linz teilt es sich die Eigentümerfunktion mit der Diözese und dem Bischöflichen Fonds zur Förderung der Uni.

Länder aktiv

Die Stadt Wien nennt die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (früher: Konservatorium) ihr Eigen, das Land Tirol zu 90 Prozent die Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT). Der restliche Anteil von zehn Prozent gehört der (öffentlichen) Uni Innsbruck. Das Mitmischen öffentlicher Unis bei Privatunis ist dabei nicht einzigartig: An der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems sind zu je einem Viertel die Donau-Uni Krems, die Medizin-Uni Wien, die Technische Universität (TU) Wien sowie außerdem die IMC Fachhochschule Krems beteiligt, an der wiederum die Stadt Krems Anteile hat. Dazu finanziert das Land Niederösterreich unter anderem Infrastrukturinvestitionen.

Auch die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg ist nicht ausschließlich privat. In den Stiftungsrat der von einer Stiftung getragenen Uni entsendet das Land immerhin ein Drittel der zwölf Mitglieder, dazu kommen finanzielle Unterstützungen aus Landes- und Gemeindemitteln.

Maurer forderte gegenüber der APA ein generelles Finanzierungsverbot der öffentlichen Hand für Privatuniversitäten. Derzeit gilt dieses nur für den Bund – was die Vielzahl der Einrichtungen unter Länder- bzw. Kammereinfluss erklärt. "Es muss verhindert werden, dass sich jeder Landeshauptmann seine eigene Privatuniversität gründet und damit die bundesweite Hochschulpolitik umgeht." Außerdem sollten sich öffentliche Unis nicht an privaten beteiligen dürfen, weil damit das Finanzierungsverbot des Bundes umgangen werde.

Verzahnung

Kennzeichen der tatsächlich privat getragenen Privatunis ist (außer bei Webster) die meist enge Verzahnung der Anteilseigner mit hohen Funktionen in der Uni. An der Sigmund Freud Privatuni sind die Anteilseigner Rektor, Vizerektorin und Kanzler, in Schloss Seeburg fungiert der alleinige Anteilseigner als Geschäftsführer und an der Danube Private University teilen sich die Eigentümer Präsidentschaft sowie Direktorenstellen.

In einer weiteren Auflistung in der Anfragebeantwortung findet sich auch eine Aufzählung jener Institutionen, die sich in den vergangenen Jahren um eine Akkreditierung als Privatuni bemüht haben. Bisher gescheitert sind unter anderem ein Internationales Theologisches Institut für Studien zu Ehe und Familie in der Kartause Maria Thron, eine Privatuniversität für Tibetische Studien, eine Pannonia Privat Universität (Landesuniversität Burgenland), eine 1st filmacademy Privat Universität sowie Privatuniversität für Jazz und Popular Music. (APA, 13.9.2016)

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