Konflikt um freiwilligen Schulbesuch von Flüchtlingen

13. September 2016, 13:57
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Das oberösterreichische Bildungskonzept und ein Rundschreiben des Ministeriums widersprechen einander

Linz – 126 außerordentliche Schüler in Oberösterreich, die das schulpflichtige Alter überschritten haben, dürfen laut Bildungsministerium nicht freiwillig weiter am Unterricht teilnehmen. Das oberösterreichische Bildungskonzept sieht aber genau diese Maßnahme zur Integration vor. Asyllandesrat Rudi Anschober (Grüne) will Ministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) am Donnerstag überzeugen, ihnen den Schulbesuch doch noch zu ermöglichen.

Wer in Österreich nicht ausreichend Deutsch beherrscht, um dem Unterricht zu folgen, kann als außerordentlicher Schüler aufgenommen werden. Das betrifft üblicherweise Flüchtlinge und Migranten. Während ordentliche Schüler, die nach neun Jahren Pflichtschule noch keinen Abschluss geschafft haben, ein freiwilliges zehntes Jahr absolvieren dürfen, gilt das für ihre außerordentlichen Kollegen nicht. Das stellt ein Rundschreiben aus dem Ministerium klar, das Ende August an die oberösterreichischen Schulbehörden ging. Die Schulen wurden davon laut Anschober am Donnerstag und Freitag vergangener Woche informiert.

Kritik am Bund

Diese Regelung widerspricht aber dem oberösterreichischen Bildungskonzept, das sehr wohl ein zehntes Schuljahr für Flüchtlingskinder vorsieht. Dass dieses Konzept nun mittels Bescheid praktisch gekippt wurde, kritisierte Anschober am Dienstag scharf: Viele der betroffenen Schüler und Schülerinnen hätten sich seit Wochen vorbereitet und auf den Unterricht gefreut, die nötigen Materialien seien bereits eingekauft worden. Er nannte als Beispiel ein Mädchen aus Afghanistan, das wegen des Taliban-Terrors gegen Mädchenschulen geflohen und nun am Boden zerstört sei, weil es auch hier nicht zur Schule gehen dürfe.

Noch massiver fiel die Kritik der Volkshilfe aus: "Flüchtlingskindern die Bildung zu verweigern ist ein Verbrechen an den jungen Menschen", so der stellvertretende Landesvorsitzende Michael Schodermayr in einer Aussendung. Eine gute Ausbildung sei Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Anstatt dieses Fundament weiterzubauen, reiße man es jetzt nieder. "Das ist dumm und kurzsichtig", kritisiert Schodermayr das "Schulverbot".

Treffen mit Bildungsministerin

Landesschulinspektor Werner Schlögelhofer würde das freiwillige zehnte Jahr für außerordentliche Schüler begrüßen – allerdings nur, wenn eine Bildungsperspektive bestehe, sprich der Schüler dadurch Aussicht auf einen Schulabschluss hat. In anderen Fällen wären auch Erwachsenenbildungsmaßnahmen inklusive Jobcoaching denkbar. Organisatorisch und mit Expertise könnten die Schulen hier unterstützend mitwirken. Es müssten aber die nötigen Mittel bereitgestellt werden, so Schlögelhofer.

Anschober will bei einem Treffen mit Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) am Donnerstag die Sache beraten: "Mein Ziel ist es, dass wir doch noch eine Möglichkeit für den Unterrichtsbesuch für die Kinder finden", so der Landesrat. (APA, 13.9.2016)

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    foto: standard/corn
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